Jedes zweite Start-up konnte bereits Stellen nicht besetzen, weil es keine geeigneten Kandidaten gab. Probleme gibt es vor allem bei den IT-Positionen.

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine gute Geschäftsidee, gründen ein Unternehmen, erhalten sogar noch eine Finanzierung – und finden dann keine MitarbeiterKeine Seltenheit, hat jetzt eine Umfrage von Bitkom Research im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom ergeben, bei der 252 Gründer von IT-und Internet-Start-ups befragt wurden.

Mehr als jedes zweite Start-up (53 Prozent) gab dabei an, dass bereits mindestens einmal eine Position nicht besetzt werden konnte, weil sich kein qualifizierter Bewerber gefunden habe. Vor allem IT-Jobs seien schwer zu besetzen.

Internationale Suche nach Kandidaten

17 Prozent hatten Probleme, Vertriebsmitarbeiter zu finden, 10 Prozent sahen Probleme im Bereich Marketing und Kommunikation. Nur rund jedes zwanzigste Unternehmen sah die größten Probleme bei der Besetzung von Management- und Geschäftsführungs-Positionen (5 Prozent) bzw. im Projektmanagement (4 Prozent).

„Wir sehen seit Jahren in der deutschen Wirtschaft einen gravierenden Fachkräftemangel, vor allem mit Blick auf IT-Experten. Start-ups konkurrieren an dieser Stelle mittlerweile nicht nur mit großen IT-Konzernen, sondern mit etablierten Unternehmen aus nahezu allen anderen Branchen, die gerade mit Blick auf das Fix-Gehalt häufig mehr bieten können als ein frisch gegründetes Start-up“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Umso wichtiger ist es für Gründer, ein attraktives Paket für Bewerber zu schnüren und auch international nach Kandidaten zu suchen, um nicht in der Wachstumsphase durch Personalmangel ausgebremst zu werden.“

Mit Blick auf die IT-Positionen sind bei den Start-ups vor allem Entwickler Mangelware. 17 Prozent der Gründer geben an, dass Backend-Entwickler besonders schwer zu finden sind, 13 Prozent beklagen allgemein ein Fehlen von Entwicklern und Programmierern. 8 Prozent finden keine Javascript-Entwickler, 7 Prozent keine Front-End-Entwickler und ebenso viele keine Mobile-Entwickler. Auch bei den Top-Themen der Branche gibt es Schwierigkeiten bei der Mitarbeiter-Suche. So geben 6 Prozent der Gründer an, dass es besonders schwer ist, Big-Data- und Data-Science-Experten einzustellen, bereits heute sehen 3 Prozent einen gravierenden Mangel bei Fachleuten für Künstliche Intelligenz und Machine Learning.

Gravierender Nachteil für Standort Deutschland

„Gerade bei Start-ups, die sich noch relativ leicht für einen Standort im Ausland entscheiden können, kann der Fachkräftemangel zu einem gravierenden Nachteil für den Standort Deutschland werden. Das Ziel, mehr junge Menschen für die Informatik zu gewinnen, etwa in dem flächendeckend ein Schulfach Informatik eingeführt wird, ist nicht nur bildungspolitisch bedeutend, sondern auch konkrete Start-up-Förderung. Und für Fachkräfte aus dem Ausland, die vermehrt insbesondere in die Ballungszentren kommen, muss eine Willkommenskultur entwickelt werden“, so Achim Berg.