Ulrich Dietz ist Bitkom-Vizepräsident, Chef von GFT Technologies und Macher des Code_n-Festivals. Im Interview spricht er über sein Festival, den Start-up-Hype und Jungunternehmen außerhalb des Scheinwerferlichts.

WirtschaftsWoche-Gründer: Herr Dietz, was haben Sie denn gegen die Cebit?

Ulrich Dietz: Nichts, wieso?

Weil Ihr Festival Code_n zunächst auf der Cebit in Hannover startete und nun nach Karlsruhe umzieht.

Wir wollten nach vier Jahren etwas, das gut läuft, nicht einfach nur wiederholen. Da seitdem auch viele weitere Start-up-Wettbewerbe entstanden sind, haben wir über ein neues Format nachgedacht. Nach mehr als 75.000 Besuchern im letzten Jahr, war es an der Zeit “erwachsen” zu werden, Neues auszuprobieren und ein eigenständiges Event zu kreieren.

Was wird genau anders sein?

Wir bieten wieder eine Innovationsveranstaltung, die komprimiert zeigt, welche Technologien in Zukunft wichtig werden. Das Konferenzprogramm ist aber deutlich umfangreicher, wir haben jetzt sechs verschiedene Bühnen. Auch die Start-ups bekommen so eine viel größere Plattform. Zudem ist es keine Konferenz, sondern ein Festival mit vielen Abendveranstaltungen in der ganzen Stadt.

Und wieso gehen Sie damit ausgerechnet nach Karlsruhe?

Die Schnittstelle zur Kunst spielte bei uns schon immer eine wichtige Rolle, daher haben wir gute Beziehungen zum Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe. Wir wollten aber auch ein Zeichen setzen, dass nicht immer alles in Berlin stattfinden muss. Und nicht da, wo am lautesten geschrien wird, gibt es die beste Qualität. Der Scheinwerfer ist oft auf Berlin gerichtet, aber es gibt in München oder Baden-Württemberg viele spannende Start-ups, auf die man auch gucken sollte, gerade im Technologie-Bereich.

Und die kann man nun treffen?

Viele davon. Aber das Besondere beim Code_n-Wettbewerb ist ja schon immer, dass wir nicht nur deutsche Start-ups haben. Im Vergleich zu den meisten anderen ist unser Wettbewerb auch diesmal extrem international ausgerichtet. Es haben sich 400 junge Unternehmen aus 40 Ländern beworben, von denen wir die 52 interessantesten eingeladen haben. Wobei es natürlich kein reines Start-up-Event ist, denn wir sprechen insbesondere auch die Industrie als Partner, Aussteller und Besucher an.

Inzwischen wird in verschiedener Weise versucht, Start-ups und Unternehmen zusammenzubringen. Wieviel bringt das der deutschen Wirtschaft schon?

Es hat sich tatsächlich einiges entwickelt, das ist sehr erfreulich. Wir brauchen jetzt aber vor allem Kontinuität und nicht nur Blitzlicht-Events, weil es gerade Mode ist. Momentan gibt es zwar einen Start-up-Hype, trotzdem tun sich die meisten Firmen, gerade im Mittelstand, noch schwer, mit den Start-ups umzugehen. Das braucht einfach Zeit und muss sich einspielen. Aber Kooperationen zwischen Unternehmen und Start-ups werden sich in den nächsten Jahren als ein Modul der Innovationsentwicklung etablieren.