Im internationalen Wettlauf übernimmt Uberall aus Berlin seinen Amsterdamer Konkurrenten Navads. 25 Millionen Dollar lassen sich Investoren den Vorstoß kosten. 

Auf Rückenwind für die Expansion hofft die Berliner Marketing-Plattform Uberall mit der Übernahme ihres Rivalen Navads aus Amsterdam. 25 Millionen US-Dollar hat die Firma dafür zusätzlich an Kapital aufgenommen. Der Kaufpreis liege in dieser Größenordnung, wie Uberall-Geschäftsführer Florian Hübner auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer erklärt. Über die genaue Summe sei allerdings Stillschweigen vereinbart worden.

Insgesamt 50 Millionen Dollar hat das Berliner Start-up damit bislang im Rahmen einer Series-B-Runde eingesammelt. Der erste Teilbetrag floss bereits im Februar, das Geld stammt von HPE Growth Capital, Project A und United Internet. Mit dem Zukauf will Uberall seine Position auf dem umkämpften Markt sichern und gegenüber der internationalen Konkurrenz Boden gutmachen.

Die 2012 als Favor.it Labs gegründete Firma will als Marketing-Plattform anderen Unternehmen dabei helfen, für Kunden aus ihrer Gegend besser auffindbar zu werden. Uberall arbeitet dafür an einer Software, die Adressen, Öffnungszeiten und Kontaktdaten der Geschäftskunden auf Internetseiten überprüft und verbreitet. Auch Kundenbewertungen lassen sich über das Portal sammeln. Stärkster Rivale auf dem Gebiet ist Yext aus der US-Metropole New York – mit mehr als 900 Mitarbeitern und einem Umsatz von 170 Millionen Dollar.

Keine Angst vor dem Erzrivalen

Die Berliner halten mit 240 Mitarbeitern und nun sechs Auslandsstandorten dagegen. In den vergangenen Monaten hat Uberall Büros in London, Paris und Kapstadt in Südafrika aufgebaut. Mit der Navads-Übernahme kommt Amsterdam dazu, wo alle 60 Mitarbeiter übernommen werden. Und in den USA ist das Berliner Start-up jetzt in San Francisco und Charlotte vertreten. Geschäftsführer Florian Hübner betont, dass in den USA bereits ein Drittel der über die Marketing-Plattform verwalteten Kundenstandorte liegt.

Der US-Markt ist strategisch wichtig für die junge Firma, die sich nun vom Start-up zum starken Scale-up entwickeln will. „Dass wir jetzt im Westen und Osten der USA vertreten sind, spielt uns total in die Karten“, sagt CEO Hübner im Gespräch mit WiWo Gründer. Er gibt sich deshalb auch selbstbewusst gegenüber der Konkurrenz und schließt das Risiko einer künftigen Übernahme durch den Erzrivalen Yext aus: „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, so Hübner. „Außerdem ist der Markt so groß, dass wir beide um den Faktor zehn wachsen können, ohne uns Kunden wegnehmen zu müssen.“ Mit dem Zukauf will er der Branche signalisieren, ein global führendes Unternehmen aufzubauen.

Eine kritische Größe bei der Kundenzahl habe seine Firma erreicht, so Hübner. Insgesamt zählt das Start-up nach eigenen Angaben nun 1.500 Firmenkunden mit 700.000 Standorten weltweit. „Gegen Ende des Jahres steht die Millionenmarke im Raum“, so der Geschäftsführer. In nächster Zeit geht sein Blick auch verstärkt Richtung Südamerika und Asien, beispielsweise der japanische Markt sei sehr interessant.

Fokus auf Datenqualität

Zudem arbeitet Uberall daran, die Aufbereitung von Daten zu verbessern, um sie für Sprachassistenten wie Siri, Alexa und Co. leichter auffindbar zu machen. Die digitalen Helfer sollen in Zukunft schnell auf Namen von Geschäften, deren Adressen, Öffnungszeiten und Preise zugreifen können. „Wir wollen bei der Datenqualität führender Anbieter werden, damit jeder Algorithmus damit arbeiten kann und sie an der richtigen Stelle wieder ausgeben kann“, sagt Hübner. So könne Uberall künftig einfacher Marketingkampagnen ausspielen – zu verschiedensten Suchanfragen der Smartphone-Nutzer.

Andere Berliner Start-ups aus dem Marketingbereich sind bei der Finanzierung mit kleineren Tickets unterwegs: So hat etwa im Juli das Start-up für Influencer-Marketing Freachly einen Millionenbetrag von Risikokapitalgeber HV Holtzbrinck Ventures, dem US-amerikanischen Investor Partech und mehreren Altinvestoren erhalten. Contentbird hat mit Content-Marketing-Software bis Februar bereits zwei Millionen Euro an Kapital aufgenommen. Und Crossengage hat vor fast einem Jahr fünf Millionen Euro für sein Cross-Channel-Marketing eingesammelt.