Das Start-up analysiert den Zustand von Akkus in elektrisch angetriebenen Fahrzeugen – und will damit zu einer höheren Lebensdauer beitragen.

Ohne Strom kein Fortkommen: Das Herzstück von E-Autos sind Batteriesysteme – doch ihren Zustand und die verbleibende Lebensdauer zu ermitteln, ist bisher nur ungenau möglich. Ändern will das ein Münchner Start-up: Twaice bietet eine Software an, die anhand von Messdaten unter anderem berechnet, wann die Lithium-Ionen-Akkus gewechselt werden sollen. Zudem sollen technische Parameter so optimiert werden, dass die Stromspeicher nicht so schnell altern.

Nach der Teilnahme an mehreren Inkubator- und Förderprogrammen hat das Unternehmen nun eine erste Finanzierungsrunde über 1,2 Millionen Euro abgeschlossen. Geldgeber sind der Frühphaseninvestor Unternehmertum Venture Capital Partners (UVC Partners), der im April seinen zweiten Fonds geschlossen hat, und der paneuropäische Investmentfonds Speedinvest.

Team soll wachsen

Mit dem Geld will das Start-up die Produktentwicklung vorantreiben und dazu das aktuell neunköpfige Team vergrößern. Vor allem Softwareentwickler würden gesucht, sagte Michael Baumann, der Twaice zusammen mit Stephan Rohr gegründet hatte, im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Beide waren Doktoranden der TU München und haben sich während der Promotion mit Batteriesystemen beschäftigt.

Mit ihrer Software zielen die Gründer unter anderem auf Betreiber von Fahrzeugflotten ab: Sie sollen frühzeitig erfahren, wann bei ihren E-Autos oder E-Rollern die Batterie gewechselt werden muss – und so Ausfällen vorbeugen. Interessant sei die Software aber auch für Fahrzeugbauer und Batteriehersteller, so Baumann: „Unsere Daten helfen bei der Weiterentwicklung und Optimierung von Batteriesystemen.“ Zudem könne so der Restwert gebrauchter Akkus bestimmt werden.

Mittelständler im Fokus

Für die Analysen nutzt das Start-up zwei Quellen: Zum einen können bereits in Fahrzeugen verbaute Batterien genutzt werden – denn deren Managementsysteme erheben bereits eine Vielzahl von Daten etwa zur elektrischen Spannung in einzelnen Zellen. Um die Daten zu übertragen, hat Twaice ein Steuergerät mit Mobilfunkverbindung entwickelt, das direkt an die Batteriesysteme angeschlossen wird. Zum anderen nutzt das Start-up aber auch Messdaten, die im Labor gewonnen wurden.

Großen Bedarf sieht Baumann außer bei Pkws im Industrie- und Nutzfahrzeugbereich – etwa bei Herstellern elektrischer Züge, Gabelstapler oder in Nischenanwendungen wie Flughafenschlepper: „Ideale Partner für uns sind neben großen Fahrzeugherstellern auch mittelständische Unternehmen.“ Unter den Pilotkunden von Twaice sei zudem ein großer Versicherungskonzern. „Fahrzeughersteller sichern zunehmend ihre Gewährleistungsgarantien ab“, so Baumann. „Versicherungsunternehmen sind deswegen sehr an präzisen Analysen der Batterien interessiert.“