Von Shuttleservice bis Softwarelösung: 15 deutsche Start-ups aus dem Reisebereich haben sich unter dem Dach des Bundesverbands zusammengeschlossen.

Eine neue Stimme für neue Marktteilnehmer: Dieses Ziel verfolgen die Mitglieder der neu gegründeten Fachgruppe Travel & Tourism. Unter dem Dach des Bundesverbands Deutsche-Startups haben sich die Vertreter von 15 jungen Unternehmen zusammengeschlossen – auch, um sich gegen die traditionellen Unternehmen ihrer Branche behaupten zu können: „Etablierte Tourismus- und Reisekonzerne und die Hotel-Wirtschaft haben eine starke Lobby”, sagt Maren Koch, Co-Vorsitzende der Fachgruppe. „Es ist daher für kleine junge Unternehmen mit disruptiven Geschäftsmodellen nicht immer einfach, Gehör in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu finden.“

In der Fachgruppe soll das im regelmäßigen Austausch mit den etablierten Unternehmen ebenso wie mit der Politik gelingen. Hierin liege die größte Chance der deutschen Tourismus- und Reiseindustrie, sagt Koch:  „In Kooperation mit Startups aus dieser Branche die eigenen Geschäftsmodelle zu digitalisieren und international wettbewerbsfähig zu bleiben.“

B2B- und B2C-Start-ups an einem Tisch

Die 15 Gründungsmitglieder bilden dabei ein breites Spektrum von unterschiedlichen Produkten und Dienstleistungen ab: Dabei sind sowohl Start-ups mit direktem Endkundenkontakt, etwa rund um das Thema Mobilität (wie der Chauffeursservice Blacklane oder die Fahrtenbörse Cabpoker) oder um das Thema Unterkunft (wie Airgreets, MyLike oder Secret Escapes).

Dazu kommen junge Unternehmen, die die internen Prozesse der eigenen Branche digitalisieren wollen – dazu zählen etwa die Softwareanbieter Mountlytics oder Regiondo. „Online-Buchungssysteme oder Vergleichsportale kennt mittlerweile jeder. Die Digitalisierung der Tourismus-Branche ermöglicht aber viel umfassendere und tiefgreifendere Veränderungen der Geschäftsmodelle“, sagt Co-Vorsitzender Bastian Kneissl, Gründer von Mountlytics.

Digitale Lösungen für den analogen Reisemarkt

In Deutschland sorgt die gute Stimmung der Wirtschaft aktuell für gute Zahlen – insbesondere im Geschäftsreisemarkt. Insgesamt hätten deutsche Unternehmen dafür im Jahr 2016 mehr als 50 Milliarden Euro ausgegeben, hatte der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) vor wenigen Wochen bekannt gegeben – ein Plus von 1,5 Prozent. Dabei würden auch „Themen wie Sharing Economy, Sicherheit, neue Mobilitätskonzepte und Nachhaltigkeit stärker als bisher die Agenden der Geschäftsreiseverantwortlichen bestimmen“, sagte VDR-Vizepräsident Ralph Rettig.

In der Reisebranche sehen einige Investoren daher aktuell großes Potenzial. Der Berliner Geldgeber Project A führte kürzlich eine 8,5-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde beim Buchungs-Assistenten Comtravo an. Der Venture-Capital-Arm der Deutschen Telekom hatte Anfang Mai eine umfangreiche Finanzierung des israelischen Hotelpreis-Spezialisten Fornova bekanntgegeben.