Nichtsdestotrotz kann man sich vorstellen, wie er seine Mitgründer mitzieht und neue Wegbegleiter für seine Projekte gewinnt. Wenn er sagt, dass er die vielen Mails von anderen Gründern nicht mehr persönlich beantworten könnte, „das liefe jetzt über seine Assistentin“, dann klingt das nicht arrogant. Er klingt eher so, als täte es ihm wirklich leid. Thormählen scheint alles richtig machen zu wollen. Dazu gehört für ihn auch das persönliche Beantworten von Mails. „Nur zeitlich geht es wirklich nicht mehr.“

In China ist er nun für die Gründung seines ersten Joint Ventures. Angefangen hat er bei seiner Suche nach Handelspartnern auf einer Onlinehandelsplattform von Alibaba. Dort hat er „einfach mal“ zehn Händler angeschrieben, mit ihnen geskypt und die besten drei davon ausgewählt, um sie vor Ort zu treffen. „Wir sind nach China geflogen, obwohl wir hier gar niemanden kannten“, sagte er und lacht. Unter den drei Unternehmen war auch der Geschäftsmann, mit dem Thormählen heute Geschäfte macht. Er nennt ihn nur Herrn Yang.

Zwei Jahre später startet er nun mit diesem Herrn Yang auch das Joint Venture, für das er die Tage in China ist. Bisher hat er die Produkte nur in einer Kooperation zugeliefert, nun wollen sie mit dem Joint Venture eine langfristige Partnerschaft eingehen. Der chinesische Geschäftspartner bringt die Immobilie, die Mitarbeiter und Maschinen. „Wir bringen neue und patentierte Produkte, die Ingenieure und das Design“, sagt Thormähen. 60 Prozent an der Partnerschaft hält Thormählen, 40 Prozent Herr Yang. Dort sollen bald alle Produkte hergestellt werden, die Thormählen dann in Deutschland und anderen Ländern vertreibt.

Der Schritt nach China ist für Thormählen logisch. Viele würden ihn wohl eher riskant nennen. Schon größere Unternehmen, die große Beratungsfirmen im Rücken hatten, haben in China bei Deals viel Geld verloren. Verträge nützen wenig, wenn sich ein Unternehmer nicht an Absprachen hält. Noch immer ist es schwierig, für Firmen ihr Recht vor einem nationalen Gericht einzuklagen.

Mit dem richtigen Bauchgefühl nach China

Thormählen aber gibt sich zuversichtlich. Er spricht kein Chinesisch, dafür hat er einen Übersetzer dabei. Kai, der neben ihm sitzt, spricht gutes Deutsch und hat bei den Vertragsverhandlungen geholfen. Von Übersetzer Kai, der inzwischen auch der Tradeconthor-Geschäftsführer in China ist und nun auch in den Vorstand des Joint Venture vorrückt, habe Thormählen auch gelernt, auf sein Bauchgefühl in Sachen China zu hören. Beiläufig fügt er hinzu, dass er Kai von einem deutschen Unternehmen abgeworben habe, weil es „gepasst“ habe. Auch so ein Bauchgefühl des jungen Gründers.

Wenn Thormählen etwas will, so scheint es, dann sorgt er dafür, dass er es bekommt. Morgens hat er in Ningbo einen Arbeitsvertrag für eine Chinesin unterschrieben, die bald in Lüneburg anfangen soll. Sie wurde ihm empfohlen, das Vorstellungsgespräch hat er bei seiner Tour in China erledigt, die junge Frau kam mit dem Bus aus der Nachbarstadt. „Sie war mir gleich sympathisch“, sagt er. Visum, Arbeitsvertrag, nächste Woche fängt sie an. Das ist das Tempo, in dem Thormählen arbeitet. Übersetzer und Jung-Geschäftsführer Kai wirkt manchmal so, als könnte er es auch alles noch nicht fassen, was sein junger Chef, dieser hemdsärmelige Deutsche, alles so vorhat.

Wie es nun weitergeht? „Bloß nicht zu schnell wachsen“, sagt er – die knapp 1.600 Prozent Umsatzsteigerung sorgten für den nötigen Schub zum Start, jetzt soll es in behutsameren Schritten vorangehen. Trotz globaler Pläne soll auch der Unternehmenssitz erst einmal in Lüneburg bleiben. Klar, Hamburg und Berlin seien angesagter. „Aber ich komme vom Dorf“, sagt er bestimmt. „Und wenn wir brainstormen wollen, kann ich mit meinen Kollegen einfach mal eine Runde spazieren gehen.“ Das Unternehmen hat inzwischen zwei Auszubildende eingestellt. Dazu werden im neuen Firmengebäude im Untergeschoss Büros für andere Start-ups gebaut. „Nicht um Ideen zu klauen, sondern um anderen Gründern eine Chance zu geben“, wie er sagt. Die hätte er sich, als er angefangen hat, auch so dringend gewünscht.

Nachdem der Gründer seinen Vortrag fast punktgenau 60 Minuten später beendet hat, klappt er seinen Laptop zu. Er hat noch kurz geschaut, ob er einen Flieger später nehmen soll. Dann hat er sich dagegen entschieden. Er springt auf. Schon sprudeln seine Pläne für die nächste Station der China-Reise in Shenzhen aus ihm hervor.

Erst einmal geht es aber zurück nach Lüneburg. Dort steht der Launch der ersten eigenen Marke an: Vonmählen soll sie heißen und ein „Produktportfolio aus hochwertigem Elektro-Zubehör“ umfassen, wie der Werbetext verlauten lässt. Dazu konnte das Unternehmen einen neuen Investor gewinnen. Mit einer siebenstelligen Summe steigt er ein, verrät der Gründer. Mehr will er noch nicht sagen. Und danach? „Ich habe immer neue Ideen“, sagt er. „Ich habe eine ganze Notiz-App voll davon.“ Mehr will er noch nicht sagen. Und danach? „Ich habe immer neue Ideen“, sagt er. „Ich habe eine ganze Notiz-App voll davon.“