Das Start-up Tradeconthor ist gerade einmal zwei Jahre alt, doch Gründer Julian Thormählen denkt bereits global. Bei einem Tee in Shanghai verrät er seine Pläne – an die jetzt auch ein neuer Investor glaubt.

Julian Thormählen kann die Idee seines Unternehmens in einem knappen Elevator Pitch erklären. Dann braucht er nur zwei Minuten. Lieber klappt der Gründer aber seinen Laptop auf, schaut auf seine Armbanduhr und setzt sich selbst das Limit von einer Stunde. Die nächsten 60 Minuten lässt er sich dann nur noch unterbrechen, wenn er ein Werbevideo zeigt oder kurz an seinem Jasmintee nippt. Und er hat viel zu erzählen: Von Fehlern, Erfolgen – und, ganz neu, dem Einstieg eines neuen Investors, der eine siebenstellige Finanzierung mitbringt.

Thormählen ist Gründer und Chef des Lüneburger Start-ups Tradeconthor – „Märkte und Trends von morgen nachhaltig prägen“ ist als Motto auf der Firmenhomepage zu finden. Das 2015 gegründete Unternehmen hofft bereits für dieses Jahr einen Umsatz von 3,7 Millionen Euro zu machen. Die Unternehmens-Bewertung liegt inzwischen bei rund 20 Millionen Euro. Das Wachstum ist gewaltig: Dieses Jahr wurde Tradeconthor von der Beratungsgesellschaft Deloitte zum innovativsten Technologie-Newcomer Deutschlands ernannt. Die Wachstumsrate: 1.594 Prozent.

Für Thormählen ist das aber erst der Anfang.

Das Ladekabel, das dem Produktentwickler den Durchbruch gebracht hat, hat Thormählen immer dabei. Auch jetzt, bei seinem Zwischenstopp in Shanghai. Zwischen zwei Schlucke Jasmintee holt er es aus der Verpackung und erklärt die Idee hinter dem kleinen Elektroteil in seinen Händen: Es hat zwei Anschlüsse, einen für Android-Smartphones, einen für Apple-Geräte. Mit einem kleinen Metallring kann man das Kabel am Schlüsselbund befestigen. Die Idee ist einfach, aber die Nachfrage riesig. Zu den ersten Kunden gehörten gleich die Telekom, die die Ladekabel für eine Promo-Aktion kauften, sowie die Lufthansa für ihr Shopping-Angebot an Bord. Mehrere Millionen Mal ging das Produkt über den Ladentisch. Inzwischen ist es in 22 Länder erhältlich. Darunter in Frankreich und Großbritannien, die USA und Japan kommen gerade zu. China könnte 2018 folgen.

Erfolg im dritten Anlauf

Thormählen hat vieles richtig gemacht. Und davor viel falsch, wie er selbst sagt. Es ist bereits sein dritter Versuch, mit einer eigenen Firma durchzustarten. Den ersten Anlauf unternahm er bereits während seines BWL-Studiums. Damals setzte er auf eine Werbeschleife bei Anrufen. Dann folgte ein intelligenter Anrufbeantworter. Beides gute Ideen, findet er weiterhin, doch es fehlten die richtigen Investoren. Aus seinem Scheitern macht er kein Geheimnis. Er wirkt eher stolz darauf, dass er immer weitergemacht hat. Der junge Gründer ist einer dieser Unternehmer, die weniger mit einer guten Idee gestartet sind, als vielmehr mit dem Plan, eine gute Idee zu entwickeln.

Und das macht er nun auch zu Tradeconthors Stärke. „Made in China, aber designt in Germany“, erklärt Thormählen das Geschäftsmodell des Unternehmens. „Wir wollen Produkte nicht nur importieren und vertreiben, sondern auch Marken aufbauen.“ Dafür baut Tradeconthor aktuell die gesamte Wertschöpfungskette von den Ingenieuren über die Designer und das Marketing auf. Mit inzwischen 40 Mitarbeitern in Deutschland und China koordiniert er aktuell den Prozess, kauft die passenden Produkte und Leistungen ein und sorgt für den Vertrieb über das Internet. Vorbild ist für ihn das niederländisch-britische Konsumgüterunternehmen Unilever. „Jetzt sind wir noch auf Elektronikprodukte beschränkt, ich will aber nicht ausschließen, dass wir auch noch andere Bereiche in der Zukunft aufnehmen.“

Thormählen trägt einen Anzug, in seinem Jackett steckt ein Seidentuch. Seine Haare sind nach hinten gegelt. Er sitzt nach ganz vorne gerückt an der Kante der Couch und hat seine Hände gefaltet, meistens gestikuliert er mit beiden Händen. Dabei wirkt er wie Mike O’Donnell in dem Film „17 again“, in dem der Pharmavertreter zurück in die Teenagerwelt muss. Er spricht nicht wie ein 25-Jähriger, sondern wie ein 50-jähriger Finanzberater, der dem Vorstandschef der Deutschen Bank gerade die Quartalszahlen vorlegt.

Wenn er etwas betonen will, zieht er kurz geräuschvoll die Luft ein. Zum Beispiel, wenn er erklärt, dass er bei seiner Suche nach der richtigen Idee „viel auf der Straße gelernt“ hätte, wo man sich als Gründer „durchboxen“ müsste. Manchmal klingt er dabei unfreiwillig komisch, wenn er davon spricht, er habe die Idee seines ersten Unternehmens „aus neuromarketing-technischen Gründen“ betrachtet. Oder, wenn er über seinen Gesellschafter und aktuellen Technikchef sagt, dieser sei ein „sehr interessanter und bewanderter Herr“ – und dann hinterherschiebt, dass dieser 23 Jahre alt ist.

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