Nach erfolgreichen Finanzierungen kommen jetzt die ersten Insolvenzen. Welche Folgen das für die Crowd hat.

Die Crowdinvesting-Branche ist ein wachsender Markt. Seit Jahren nehmen die Investitionssummen erheblich zu – trotzdem ist der Markt noch klein, die Beteiligten hoch motiviert. Bislang gab es einige bemerkenswerte Erfolge und wenige Insolvenzen. Doch das neue Jahr 2016 wird die erste große Herausforderung für die Crowdinvester – Start-ups, Investoren und Plattformen. Denn jetzt gehen die ersten Start-ups in die heiße Phase. Die Investitionen per Crowd liegen einige Zeit zurück und jetzt gilt es für die jungen Unternehmen zu beweisen, ob sie fest im Sattel sitzen – oder eben doch aufgeben müssen.

So wie Wonderspots oder Tollabox. Beides hochgefeierte und von der Crowd gepushte Start-ups mit spannenden Ideen und vielen Unterstüztern. Beide bekamen große Aufmerksamkeit und schafften sehr erfolgreiche Crowdfinanzierungen in der ersten Runde. Für Tollabox schlug allerdings im April 2015 mit der Einleitung des Insolvenzverfahrens die schwarze Stunde. Wonderpots meldete Anfang Dezember 2015 Insolvenz an. Die Beantragung der Insolvenz – ein schwerer Schritt, sagt Wonderpots-Gründer Tomasz Piotrowski: „Leider war dieser Schritt aber unumgänglich. Gegenüber der Crowd und natürlich auch für alle anderen, die davon betroffen sind, bedauere ich die jetzige Situation sehr.“

Erste Pleiten fordern Branche heraus

Es sind die ersten großen Pleiten, die die Crowd in Deutschland verkraften muss. „Gerade wenn ehemals so gefeierte Start-ups wie Wonderpots oder beispielsweise auch Paymey in ein Insolvenzverfahren schlittern, ist das natürlich ein Rückschlag für die Szene“, sagt Alexander Nicolai, Stiftungsprofessur für Entrepreneurship an der Universität Oldenburg. „Die mediale Aufmerksamkeit für crowdfinanzierte Projekte wird dann zum Bumerang.“

Bisher habe die Crowd das Scheitern von Projekten recht gut verkraftet, sagt Professor Nicolai. Häufig reagierten die Crowdinvestoren sogar mit Verständnis und Mitgefühl auf Fehlschläge. „Das gilt vor allem für sogenannte ‚Spaß-Investoren‘, die aus Freude an der Innovation mit einem kleinen Betrag eine Wette eingehen. Die größer werdende Gruppe der professioneller agierenden Investoren investiert dagegen diversifiziert. Die verkraftet ebenfalls einen Ausfall – wenn es an anderer Stelle klappt“, so Professor Nicolai.