Gründer aus Walldorf haben eine Cloud-Plattform für Firmen entwickelt, die deren Zahlungen vereinfachen soll. Mit frischem Kapital wollen sie nun noch schneller expandieren.

Das Fintech Treasury Intelligence Solutions (TIS) aus dem baden-württembergischen Walldorf hat sich eine Finanzierung über 12 Millionen US-Dollar gesichert. Das Geld stammt vom internationalen Venture Capital-Unternehmen 83North, das als Minderheitsaktionär einsteigt. Zu den Altinvestoren gehören der Münchner Risikokapitalgeber Target Partners und Zobito aus Schweden. Zur genauen Höhe der Beteiligungen macht TIS auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer keine Angaben.

Das Walldorfer Unternehmen richtet sich an internationale Firmen, deren Zahlungsströme über verschiedene Banken in Länder weltweit fließen. Wie eine Art Online-Banking-Portal bündelt die Cloud die eingehenden Zahlungen und gibt den beteiligten Banken Signale für anstehende Überweisungen. Die Plattform ermöglicht außerdem, die Geldströme zu analysieren – um beispielsweise herauszufinden, welcher Kunde wann und wie viel bezahlt hat. Inzwischen regelt TIS nach eigenen Angaben den Zahlungsverkehr für 80 Firmen, die über 9000 Banken Geld in 76 Länder senden – darunter Großkonzerne wie die Autobauer VW und BMW oder Leuchtmittelhersteller Osram.

Starkes Wachstum, hoher Einsatz

Mit dem frischen Kapital von 83North will die Firma weiter expandieren. Im Fokus stehen potenzielle Kunden in den USA und in Europa. Im Februar eröffnet eine neue Niederlassung in Boston. Aber auch in Belgien, den Niederlanden und Frankreich sieht Geschäftsführer Jörg Wiemer noch großes Potenzial. Bereits jetzt erziele sein Unternehmen ein jährliches Wachstum von 70 Prozent, auch beim Personal legt TIS kräftig zu: Innerhalb eines Jahres ist die Mitarbeiterzahl von 29 auf derzeit knapp 90 gestiegen. Außerhalb Deutschlands betreibt das 2010 gegründete Fintech Standorte in Bulgarien und den Niederlanden. „Wir glauben, dass das Team, die Technologie und die Zugkraft, die wir bei TIS sehen, eine großartige Gelegenheit bieten, eine neue globale Kategorie zu etablieren und anzuführen“, wird Laurel Bowden, Partnerin bei Investor 83North, in einer Pressemitteilung zitiert. „TIS spricht einen riesigen Markt mit einem unerfüllten Bedarf an.“

Das starke Wachstum hat jedoch Spuren in der Bilanz der Firma hinterlassen. Die Entwicklung von Software hat Kosten in Millionenhöhe und damit hohe Verluste verursacht. Seit Ende 2016 gilt das Fintech als bilanziell überschuldet. „Für ein Unternehmen in unserer Wachstumsphase ist das vollkommen normal“, sagt Geschäftsführer Jörg Wiemer zu WiWo Gründer. Der Cash Flow sei positiv – außerdem verfügt die Firma über stille Reserven in zweistelliger Millionenhöhe. Dahinter verbirgt sich unter anderem selbst entwickelte Software, die TIS noch nicht bilanziert hat. Auch der Wirtschaftsprüfer stellt der Firma eine positive Prognose aus.

Langfristig will sich TIS auf die Analyse des Zahlungsverkehrs von Unternehmen konzentrieren – vor allem auf Lösungen zum sogenannten Smart Payment. Bereits 2016 haben Investoren in mehreren Finanzierungsrunden einen hohen einstelligen Millionenbetrag in das Unternehmen gesteckt. B2B-Fintechs wie TIS haben derzeit besonders gute Karten bei der Finanzierung, wie unter anderem eine Studie des Beratungsunternehmens KPMG zeigt.