Nach der Kooperation mit der Techniker Krankenkasse gibt das Hamburger Start-up Tinnitracks den nächsten Coup bekannt: eine Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut.

Von Laura Waßermann

Manchmal piept es so laut, dass man seine eigenen Gedanken kaum ordnen kann. Manchmal ist es nur ein dumpfes Geräusch. Meistens piept es ganz plötzlich, unangenehm ist es immer. In Deutschland leiden rund drei Millionen Menschen an Tinnitus, einem Piepen im Ohr. Behandlungen gegen das Ohr-Geräusch gibt es nur wenige, häufig sind sie erfolglos.

Das Start-up Tinnitracks verspricht Besserung und ist seit Anfang 2015 auf Erfolgskurs. Nachdem Patienten der Techniker Krankenkasse die App seit kurzem als Rezept verschrieben bekommen können, gibt Gründer Jörg Land nun die nächste Neuigkeit bekannt: Die Sonormed GmbH, zu der Tinnitracks gehört, kooperiert mit dem Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie (IDTM) mit Sitz in Ilmenau.

Land und Co. wollen mit dieser Kooperation einen Schritt weiter gehen. Nicht nur Tinnitusleidenden soll zukünftig geholfen werden; auch Menschen, die den Hörsinn in Teilen verloren haben, sollen therapiert werden können: „Geplant ist, eine Software zur individuellen Hörunterstützung in die Tinnitracks-App zu integrieren“, sagt Land exklusiv im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. „Diese kann die Frequenzen, die bei einem Hörverlust nicht mehr erfasst werden, ausgleichen.“

Expansion geplant

Durch die Arbeit mit dem Fraunhofer IDMT komme zu den bisherigen drei Optionen von Tinnitracks – individuelle Frequenzfilterung, individuelle Musikauswahl, Frequenzausgleich durch Sennheiser-Kopfhörer – eine vierte hinzu: die Anpassung der Musikfilterung an das eigene Hörprofil, was Menschen mit Hörproblemen helfen soll.

Grund für die Zusammenarbeit ist unter anderem, dass das Institut bereits Algorithmen für individuelle Hörunterstützung bereits entwickelt. Das Hamburger Start-up will die Software in die Tinnitracks-App integrieren und Menschen mehr Gehör verschaffen. Der genaue Zeitpunkt der Realisierung ist jedoch unklar – und somit auch wann Tinnitracks-Nutzer schließlich von der Kooperation profitieren. Jörg Land sagt, die Software werde noch im ersten Quartal 2016 aktiv.

Außerdem planen er und seine Mitgründer Adrian Nötzel sowie Matthias Lanz, das Geschäft zu internationalisieren. Dabei stünden die Niederlande, Großbritannien und die USA möglicherweise auf der Agenda. Zu den Nutzerzahlen wollte Land sich nicht äußern. Im März zählte Tinnitracks rund 500 Kunden, allerdings war zu dem Zeitpunkt das Angebot noch browserbasiert und mit 600 Euro Gesamtpreis nicht gerade billig. Kurz danach kam die Tinnitracks-App auf den Markt, die Therapie kostet seitdem 19,90 Euro pro Monat. Für Mitglieder der Techniker Krankenkasse wird die Behandlung per App seit Oktober vollständig übernommen.

Tinnitracks beziehungsweise Sonormed wurde 2012 gegründet und bietet eine Technik an, die das Hörzentrum so stimuliert, dass der Tinnitus leiser werden soll. Genauer gesagt wird der Frequenzbereich ohne Tinnitus mit Musik beschallt, damit der Bereich mit Tinnitusleiden – nach eigenen Aussagen um 25 Prozent – gelindert wird.