Fast jeder will es, aber nicht alle sind dafür geschaffen: Wie erkennt man, dass man für ein Start-up leider nicht der richtige Typ ist? Ein Test in fünf Punkten.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt wieder Tijen Onaran. Sie ist Gründerin von startup affairs, einer PR und Public Affairs Beratung für Start-ups, Venture Capitals und Unternehmen. Mit Women in Digital e.V. vernetzt Onaran Entscheiderinnen der Digitalbranche und macht diese sichtbar.  Vor der Gründung von startup affairs war sie als Leiterin Kommunikation beim Onlinehandelsverband Händlerbund und in unterschiedlichen Funktionen für Bundestags-, Europaabgeordnete sowie das Bundespräsidialamt tätig.

1. Du bist Verfechter von nine to five

Um neun Uhr morgens kommen und um fünf Uhr abends gehen: Das ist Deine Devise. Überstunden: ja, aber nur wenn sie spätestens übermorgen wieder abgegolten werden können. Arbeitszeit ist für Dich Lebenszeit – und zwar diejenige, die Du nicht unbedingt im beruflichen Umfeld verbringen willst.

Im Grunde liebst Du es auch, schon um sechs Uhr morgens im Büro zu sein, nämlich dann, wenn Dein Kollege, „der schon immer da war“, auch da ist. Es kann auch durchaus sein, dass Du um neun Uhr bereits die Kantinenkarte für das Mittagessen prüfst. Apropos: Die Kantine ist neben Deinem Einzelbüro Dein Lieblingsort!

2. Sicherheit ist Dein zweiter Vorname

Ein unbefristeter Vertrag ist für Dich der Vorläufer zur Arbeitslosigkeit. Du bist Abonnent aller News-Seiten, um keine Meldung zu verpassen und entsprechend vorbereitet zu sein, falls es eine Autobahnvollsperrung gibt. Wer sich spontan mit Dir treffen will, hat keine guten Chancen. Du bevorzugst eher lang vereinbarte Termine, die dann bitte auch eingehalten werden. Wer zweimal absagt, ist im Grunde unten durch. Außer es geht um eine neue Versicherung, die Dir im Fall der Fälle wieder helfen kann: Man weiß ja nie.

3. Scrum ist für dich ein Lebensmittel aus dem Supermarkt

Digitale Tools, Messenger, Projektmanagement – es vergeht kaum ein Tag, an dem Du Dich nicht schon wieder auf neue berufliche Helfer einstellen sollst. Aber an den neusten Trend kannst und willst Du Dich einfach nicht gewöhnen. Denn bei Design Thinking denkst Du an Farbstifte, bei Lean-Start-up an eine Armlehne und bei Scrum musst Du an Deine Lieblings-TV-Serie. Am liebsten erstellst Du Deine Projektskizzen noch mit Stift und Papier, und hast ein Faible für Post-its. Die digitale Variante ist für Dich kein adäquater Ersatz.

4. Das Gehalt ist für Dich nicht nur Begleiterscheinung

Du willst von einem Job nicht nur leben, sondern auch die schönen Dinge des Lebens genießen können. An Morgen zu denken, heißt für Dich auch, all die Versicherungen, die Du abgeschlossen hast, finanzieren zu können. Das Einstiegsgehalt muss für Dich eine relevante Differenz zu Deinem Studentenjob von damals vorweisen. Und: Eine Gehaltserhöhung heißt für Dich nicht einfach nur eine neue Position, sondern vor allem auch neuer Kontostand.

5. Berlin, Hamburg und Frankfurt kommen nur in Deinen Träumen vor

Du liebst große Städte, aber eben nur aus der Ferne oder auf Besuch. Städte mit einer Einwohnerzahl über 300.000 sind dir suspekt. Auch bist Du kein Fan vom Veranstaltungswahn. Lieber klein und fein als groß und pompös. Small Talk, Networking, Business Lunch – all das machst Du mehr schlecht als recht. Überhaupt: das Sprunghafte und „heute hier, morgen da“- Ding ist nicht wirklich Deine Welt. Lieber an einem Ort und dafür eine Beständigkeit, die einem keiner mehr nehmen kann. Bei: „Kaffee, demnächst – unbedingt!“ bekommst du Hautausschlag und trinkst den Kaffee lieber beim Bäcker um die Ecke. Den Du übrigens schon seit Deiner Kindheit kennst.