Das Start-up erhält sieben Millionen Euro. Die Finanzierung soll helfen, Team und Büros in vielen Ländern auszubauen. Die Zahl der Tester ist jetzt schon auf Großstadtniveau.

Verfeinerte Software, aktualisierte Apps, überarbeitete Webseiten: Bevor Unternehmen neue IT-Produkte für alle Nutzer freigeben, schicken sie gerne ausgewählte Testgruppen vor. Diese Digitalprobanden geben Rückmeldung, wo es vielleicht – trotz detaillierter Planungen von Designern und Programmierern – noch hakt. Das Start-up Testbirds hat aus diesem Prozess ein stetig wachsendes Geschäft gemacht: Die Münchener organisieren solche Prüfgruppen – und konnten mit dem Geschäftsmodell ihren Umsatz zwischen 2013 und 2016 mehr als versechsfachen.

Jetzt stärken neue und bestehende Investoren das 2011 gegründete Unternehmen: In einer vierten Finanzierungsrunde erhielt Testbirds insgesamt sieben Millionen Euro Risikokapital. Zuletzt hatte das Start-up vor gut zwei Jahren zwei Millionen Euro eingesammelt. Als neue Investoren stiegen nun BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft und der von Bayern Kapital verwalteten Wachstumsfonds Bayern ein.

Eigene Testumgebung

Testbirds habe sich in den vergangenen Jahren hat sich in den vergangenen Jahren „als Experte im Software-Testing etabliert und sein Geschäftsmodell kontinuierlich ausgebaut“, sagt BayBG-Investmentmanager Andreas Heubl. Neben der Tester-Gemeinschaft, die das Start-up für Kundenanfragen aktivieren kann, bietet das Unternehmen unter anderem auch eine eigene Testumgebung an, in der Handy-Apps getestet werden können.

Neben den neuen Geldgebern haben auch die privaten Risikokapitalgeber der vorherigen Runden ihre Einlage erhöht. Dazu gehören unter anderem der französische Investor Seventure Ventures, der sich im vergangenen Jahr am Berliner Start-up Machtfit beteiligt hatte. Auch Extorel und btov haben in der aktuellen Finanzierungsrunde wieder investiert.

300.000 Tester in der Datenbank

Das neue Kapital soll nach Angaben von Testbirds dazu dienen, das Team auch international auszubauen. Nach eigenen Angaben hat man neben dem Hauptsitz in München bereits Büros in Amsterdam, London und Stockholm sowie Franchisenehmer und Vertriebspartner in Ungarn, Russland, der Slowakei und Italien. Alleine für München hat das 100 Mitarbeiter starke Start-up aktuell über 20 neue Stellen ausgeschrieben.

Noch internationaler ist die Testerbasis des Start-ups, die für ihren Einsatz projektbezogen eine Aufwandsentschädigung erhält, die manchmal um Prämien für das Auffinden von Fehlern ergänzt werden kann. 300.000 Nutzer aus 193 Ländern seien registriert, teilt Testbirds mit. In einem Interview mit Zeit Online hatte Mitgründer Philipp Benkler im vergangenen Jahr jedoch eingeräumt, dass ein Großteil der Tester nicht regelmäßig aktiv ist.