Techstars goes Germany – und macht sich auf die Suche nach innovativen Start-up-Ideen. David Brown erklärt im Interview, was einen guten Unternehmer ausmacht. 

Seit Anfang des Jahres ist der US-Accelerator Techstars auch auf dem deutschen Markt aktiv. Zurzeit sucht Gründer David Brown gemeinsam mit dem Handelsunternehmen Metro nach innovative Geschäftsideen, die die Bereiche Gastronomie, Hotellerie und Catering nach vorne bringen könnten. Bis zum 20. Juni können sich interessierte Start-ups für das Gründerprogramm bewerben. Im Interview sprechen David Brown und Techstars Chief Product Officer Nicole Glarus über die Erfindung des Wortes Accelerator, über die Kooperation mit Metro und erklären, warum in Amerika anders gegründet wird als in Europa.

WirtschaftsWoche Gründer: Techstars wurde im Jahr 2006 gegründet, als noch niemand wusste, was ein Accelerator ist. Woher kam die Idee?
David Brown: Das Wort existierte noch nicht einmal (lacht). Wir haben es irgendwann auf unserem Weg erfunden. Techstars startete, als David Cohen mein Geschäftspartner war. Wir hatten einige Start-ups, aber wir waren sehr unzufrieden mit den Erfahrungen, weil die Angel-Gruppe zu der wir gehörten, den Unternehmern nicht wirklich zu helfen schien, sondern eher das Gegenteil bewirkte. Wir wussten, dass es da ein anderes Modell in der Welt geben musste. Die Idee des Accelerators war es, ein Programm zu haben, das für eine bestimmte Dauer von drei Monaten läuft und viel Hilfe bringt. Wenn man viele Mentoren und spezifische Fähigkeiten hat, können sie ihre Expertise in verschiedenen Bereichen einbringen. Das ist gut für die Gründer, weil sie mehr Hilfe für ihr Geschäft erhalten, aber auch für die Investoren, die bessere Rücklaufe erhalten.

Welches Techstars-Start-up ist bis jetzt das erfolgreichste?
Es gibt einige erfolgreiche Unternehmen. Ein Beispiel ist Sphero, sie kamen mit ihrem App-gesteuerten Droid BB-8 in den Star-Wars-Film, das war offensichtlich ziemlich erfolgreich. Aber es gibt noch andere sehr erfolgreiche Unternehmen, es kommt ja auch darauf an, wie man Erfolg misst.

Und welche Entwicklung eines Start-ups hat Sie am meisten überrascht?
Nicole Glaros: Ein Unternehmen zu beobachten, dessen Gründer sehr stark sind, aber ungeheuerliche Ideen haben, die dann zu uns kommen, und das Geschäftsmodell komplett zu etwas sehr interessanten und erfolgreichen ändern, das überrascht immer. Und ich würde sagen, dass es eine gute Erinnerung dafür ist, dass ein großartiges Team ist und und nicht eine großartige Idee, die großartige Geschäfte ausmacht. Obwohl wir das eigentlich wissen, sind wir doch immer wieder überrascht, wenn es passiert.

Wie würden Sie die Unterschiede zwischen amerikanischen und deutschen Gründern beschreiben?
Nicole Glaros: Ich würde sagen, dass es wichtig ist, als amerikanischer Investor zu lernen, wie man in Deutschland Geschäfte macht. Ich denke, Amerikaner probieren etwas direkt aus und Deutsche planen es schon im Voraus genau. Das ist etwas, was wir lernen mussten, als wir mit unserem Business in Deutschland starteten.

Wie schätzen Sie das Potenzial von Technik-M&A in Europa ein?
David Brown: Unser erstes Programm außerhalb der USA war in London. Zu diesem Zeitpunkt war es der beste Ort für amerikanische Geschäftstüchtige, weil dort eine große Start-up-Community existiert. Aber uns wurde schnell klar, dass Berlin auch gut, wenn nicht noch besser, ist. Es gibt so viele Start-ups, die von London nach Berlin gehen, weil es günstiger ist und das Unternehmer-Ökosystem sehr stark ist. Für uns ist das super, wir haben zwei Accelerator-Programm in Berlin.