Das Bewerbungsportal für Juristen übernimmt das Düsseldorfer Start-up Lawyered. In der Nische häufen sich die Zusammenschlüsse von jungen spezialisierten Unternehmen.

Eine Plattform für 25.000 Juristen: Mit dieser neuen Schlagkraft will sich das Münchener Start-up Talent Rocket jetzt auf hochspezialisierten Recruiting-Markt für Rechtswissenschaftler durchsetzen. In diesen Tagen machte das junge Unternehmen jetzt die Übernahme des Düsseldorfer Konkurrenten Lawyered öffentlich. Seit Ende Juli ist die Tinte unter den Verträgen trocken, in dieser Woche wurde die Website synchronisiert. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

„Zusammen sorgen wir dafür, dass Recruiting im juristischen Markt simpler denn je wird“, sagt Philipp Commandeur, Mitgründer von Lawyered und jetzt Teil des Talent Rocket-Teams. Die Düsseldorfer brachten nach Angaben von Talent Rocket-Gründerin Yacine Coco die technische Spezialisierung einer umfangreichen Kandidatendatenbank ein, in denen Arbeitgeber nach anonymisierten Profilen forschen können. Talent Rocket selbst habe einen Matching-Algorithmus, um das Zusammenfinden von Arbeitnehmer und -geber zu verbessern. „Diese beiden Technologien finden nun zusammen“, sagt Coco.

„Winner takes it all“-Prinzip setzt sich durch

Gleichzeitig will das Start-up mit vereinten Kräften auch eine andere Branche als die der Juristen ins Visier nehmen. Man habe die Erschließung eines weiteren Bereiches fest im Blick, „dürfen hier aber leider noch nichts Näheres verraten“, sagt Coco gegenüber WiWo Gründer.

Commandeur und sein Mitgründer Sebastian von Glahn arbeiten nach ihrem Exit im Talent Rocket-Team mit. „Schon beim ersten Treffen war beiden Teams klar, dass in der Nische das Gesetz gilt: ‚The winner takes it all’‘, sagt von Glahn, „zudem besitzen wir gemeinsam eine deutlich höhere Reichweite.“ Insgesamt arbeiten jetzt nach Angaben des Start-ups 20 Mitarbeiter an den Standorten München und Berlin zusammen. Für dieses Jahr strebt die 2014 gegründete Firma einen „starken siebenstelligen Umsatz“ an.

Bewegung auf dem Plattform-Markt

Im Bereich der Start-ups rund um professionelle Dienstleistungen wie Anwälte, Ärzte oder Berater setzt sich damit eine Konzentration fort. Start-ups in diesen Branchen – deren Gründer häufig selbst in diesen Berufen Erfahrungen gesammelt haben – bewegen sich im Vergleich zu E-Commerce-Plattformen in relativ kleinen Märkten. Gleichzeitig macht ihr Plattformansatz nur ab einer bestimmten Größe für beide anvisierten Seiten Sinn.

Passend zu der Talent-Rocket-Übernahme verkündeten so gestern auch die Anwalts-Plattformen Advo Assist und Terminvertretung, künftig zusammenzuarbeiten und zukünftig nur noch unter dem Label Advo Assist aufzutreten. Im Consulting-Markt, der sich ebenso durch hohe Tagessätze und hohe Spezialisierung der Mitglieder auszeichnet, hatte vor wenigen Wochen das Kölner Unternehmen Consultingheads einen Konkurrenten übernommen und damit die Zahl der Plattformen im Markt reduziert.