Sind Studienabbrecher wirklich die besseren Unternehmer? Mitnichten, resümiert eine neue Untersuchung.

Steve Jobs, Bill Gates, Mark Zuckerberg – drei Beispiele erfolgreicher Unternehmer, die ihr Studium ohne Abschluss beendeten. Zufall oder System? Tatsächlich gibt es Menschen, die ein Hochschulstudium für völlig überflüssig halten – zumindest dann, wenn man eines Tages ein Unternehmen gründen will. Aber stimmt das? Sind Hochschulabbrecher die erfolgreicheren Unternehmer?

Eine Antwort auf diese Frage suchte nun Guido Bünstorf, Professor an der Universität von Kassel. Für seine neue Studie analysierte er gemeinsam mit Kristian Nielsen (Universität Aalborg) und Bram Timmermans (Norwegian School of Economics) die Angaben einer dänischen Datenbank. Diese enthält unter anderem Angaben zum Einkommen und dem Ausbildungsgrad aller dänischen Arbeitsmarktteilnehmer. Daneben zogen die Forscher Statistiken von Unternehmensgründungen heran.

Und siehe da: Zumindest die Bereitschaft von Studienabbrechern, sich selbstständig zu machen, war höher als die von Absolventen. Drei Jahre nach Verlassen der Hochschule waren von Abbrechern, die zwischen 1994 und 2007 an einer dänischen Hochschule eingeschrieben waren, immerhin knapp 2,5 Prozent selbstständig. Unter den Absolventen lag die Quote nur bei 1,5 Prozent.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Abbrecher erfolgreicher waren – eher im Gegenteil. Das Unternehmen eines Absolventen kam im ersten Jahr auf einen Umsatz von 480.000 dänischen Kronen (umgerechnet etwa 65.000 Euro) und 0,32 Angestellte. Die Unternehmen von Abbrechern machten hingegen im Schnitt nur 360.000 Kronen Umsatz (48.000 Euro) und hatten 0,28 Angestellte.

„Die Bereitschaft, sich selbstständig zu machen, dürfte bei manchen schlicht aus der Not heraus geboren sein“, sagt Bünstorf. Offenbar fördern Charakterzüge wie Risikobereitschaft oder der Drang nach Autonomie sowohl einen Studienabbruch als auch eine erfolgreiche Selbstständigkeit. „Auf der anderen Seite könnten Studienabbrüche auch für einen Mangel an Beständigkeit und kognitiven Fähigkeiten sprechen“, sagt Bünstorf, „und die machen einen Erfolg als Unternehmer eher unwahrscheinlich.“

Fazit: Erfolgsgeschichten wie die von Steve Jobs oder Mark Zuckerberg klingen gut – sollten aber nicht dazu verführen, einen Hochschulabschluss als überflüssig zu erachten.