Wagniskapitalgeber geben Gründerinnen deutlich weniger Kapital als männlichen Unternehmern, zeigt eine schwedische Studie. Aus Deutschland gibt es ähnliche Signale.

Zwei Frauen, fünf Männer, die allermeisten in ihren 50ern und mit reichlich Erfahrung in Finanzierungsfragen: So sah das Entscheidungsgremium aus, dass über einen großen Topf von – staatlich gefördertem – Wagniskapital für Start-ups in Schweden entscheiden durfte. Genau verfolgt wurden ihre Entscheidungen von Wissenschaftlern der Technische Universität Luleå. Ihre Untersuchung wurde im Februar veröffentlich. Sie kamen zu einer klaren Erkenntnis: Gründerinnen erhielten im Schnitt deutlich weniger Wagniskapital zugesprochen als Gründer. „Es stellt sich heraus, dass aus der Sicht des Investors der ideale Unternehmer ein Mann ist und keine Frau”, halten die Autoren fest.

Für ihre Untersuchung beobachteten die Wissenschaftler etwa 300 Pitches von Start-ups – in etwa einem Viertel der Teams waren Frauen federführend. Die Investoren sprachen ihnen im Schnitt etwa ein Viertel der geforderten Finanzierungssumme. Ihre männlichen Gründerkollegen erhielten von demselben Gremium dagegen etwas mehr als die Hälfte dieser Summe.

„Gefühlte Benachteiligung” durch Kapitalgeber

Aufmerksam auf diese Untersuchung machten jetzt die Veranstalter des Gründerwettbewerbs des Wirtschaftsministeriums. „Das Potenzial von Gründerinnen wird in Europa immer noch unterschätzt”, sagt Wolfram Groß, Projektleiter beim Mitveranstalter VDI/VDE Innovation + Technik GmbH. „Ein möglicher Grund für dieses Ungleichgewicht ist die Tatsache, dass Kapitalgeber eher in männliche Gründerteams investieren, Investorinnen eher in Frauenteams.” Insgesamt gebe es jedoch weniger einflussreiche Wagniskapitalgeberinnen, so Groß weiter. Ein Blick in die Führungsetagen prominenter VC-Fonds in Deutschland und Europa bestätigt diese Tendenz.

Die Zahlen der schwedischen Studie beziehen sich auf die Beobachtungen einer einzelnen Investorengruppe und lassen keine Generalisierung zu. Es gibt jedoch auch Belege dafür, dass in Deutschland Gründerinnen ähnliche Erfahrungen machen. Dazu passen Zahlen aus einer Studie des Vodafone-Insituts für Gesellschaft und Kommunikation aus dem vergangenen Dezember (PDF). In einer Umfrage unter 112 Gründerinnen in Deutschland sprachen 62 Prozent von einer gefühlten Benachteiligung durch Investoren und Kreditgeber.