Elite-Studenten gehen nach ihrem Abschluss hauptsächlich in drei Branchen: Investmentbanking, Beratung oder Tech. Für Start-ups sind das keine guten Nachrichten, wie eine Studie belegt.

Studenten, die ihren Abschluss an Universitäten wie Harvard oder Stanford erwerben, steht die ganze Wirtschaftswelt offen. Durch die große Reputation der beiden US-Hochschulen lechzen viele Arbeitgeber nach deren Absolventen. Trotzdem landen die Studenten am Ende zu einem großen Teil in denselben Bereichen: In Harvard nimmt knapp jeder zweite Absolvent seinen ersten Job in einer Beratung, einer Bank oder im Tech-Bereich an; in Stanford entscheidet sich jeder Vierte für Tech und gut jeder Fünfte für die Beratung oder eine Bank.

Doch warum gehen die Studenten so oft denselben Weg? Dieser Frage ist nun eine Studie der University of California nachgegangen. Sie kommt zu einem interessanten Ergebnis: Die Studenten haben oft noch keinen Fokus auf diese Bereiche, wenn sie an den Universitäten beginnen – es sind die Hochschulen, die den Eindruck vermitteln, dass Jobs in den besagten drei Branchen Anerkennung und Geld bringen.

Die Universitäten böten Konzernen wie Morgan Stanley, McKinsey oder Google einen deutlich größeren Präsentations-Spielraum als kleineren Unternehmen oder Start-ups. „Wir halten es für problematisch, dass eine sehr kleine Gruppe von sehr gutbetuchten Konzernen einen so großen Einfluss auf die Elite-Studenten gewinnt“, heißt es in der Studie. Das sei besonders kritisch, weil die Studierenden gerade erst anfangen, über ihre Karriere nachzudenken, und so in eine Richtung gesteuert werden.

Hörig gegenüber den Konzern-Bedürfnissen

Die Untersuchung macht auch deutlich, dass die Universitäten kleinere Unternehmen und Start-ups systematisch benachteiligen – selbst die, die in denselben Branchen arbeiten. Eine Karriere in „Tech“ bedeutet in diesem Fall folglich Facebook oder Google, aber nicht ein Job beim kleinen Silicon-Valley-Start-up, das gerade erst angefangen hat. Durch die Verdrängung junger und kleinerer Firmen auf dem Campus hemmten die Universitäten damit gewissermaßen auch Innovationen und Wachstum, vermuten die Studienautoren.

Die Untersuchung bezieht sich zwar auf Elite-Universitäten die USA, zeichnet aber auch eine deutliche Parallele zu deutschen Privathochschulen wie der EBS oder der WHU auf. Auch dort gelten die Unternehmensberatung und die Investmentbank als begehrte Ziele. Die Gründe dafür beschreibt der WHU-Absolvent Benedikt Herles ähnlich: „Viele Business Schools richten sich nach den Bedürfnissen ihrer ‚Kunden‘ – und das sind eben die großen Banken, Beratungen und auch Konzerne“, sagte er 2014 im Interview mit der „Gründerszene“. Darin bezeichnete er Business Schools als „Durchlauferhitzer“, die Menschen ohne kritisches Denken hervorbrächten.

Allerdings ändern sich zumindest in Deutschland die Berufswünsche der Privat-Studenten langsam. So gründen immer mehr Absolventen nach ihrer Uni-Zeit selbst, anstatt in großen Beratungen oder Banken anzufangen. Mit Veranstaltungen wie dem „Idealab“ an der WHU fördern die Studenten diesen Zeitgeist sogar selbst.