Mit Start-ups zu kooperieren, gehört zum guten Ton unter Konzernen. Eine Studie analysiert nun, warum das so ist – und warum Rocket nicht der beste Ratgeber ist.

Wenn ProSiebenSat.1 derzeit Schlagzeilen produziert, dann häufig mit dem nächsten Start-up, in das das Unternehmen gerade investiert hat. Ob Vitafy, ePetworld oder 90min: Fast wöchentlich verkündigt der Medienkonzern eine neue Beteiligung oder Übernahme.

Mit Start-ups zu kooperieren, zählt unter Konzernen längst zum guten Ton. Mit seiner Einstellung zählt ProSiebenSat.1 folglich auch zu einem wachsenden Stamm etablierter Konzerne, die sich von der Start-up-Welt neue Impulse erhoffen. Von 105 Unternehmen im Dax und MDax betreiben 47 eine eigene sogenannte „Corporate Venture Capital“-Einheit, wie eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zeigt. Von den Dax-Unternehmen beschäftigt jedes dritte eine solche Tochtergesellschaft. „Um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Innovationen voranzutreiben, engagieren sich immer mehr große Unternehmen in solchen Partnerschafts-Programmen mit jungen Start-ups“, lässt sich der Professor und Studienautor Julian Kawohl in einer Mitteilung zitieren.

Konzerne machen demnach einen immer größeren Anteil am investierten Risikokapital in Deutschland aus. Kamen sie 2005 noch auf 6,5 Prozent, stieg dieser Anteil bis 2014 auf 10,75 Prozent. Mehr als 400 Millionen Euro investierten Konzerne in ihre Venture-Capital-Einheiten, heißt es in der Studie des Lehrstuhls für Strategisches Management. In die Untersuchung wurden jene Einheiten der Konzerne einbezogen, die ihre Investitionen in Start-ups in eine Tochtergesellschaft ausgelagert haben. Insgesamt dürfte die Zahl der mit jungen Unternehmen kooperierenden Firmen also noch deutlich höher liegen.

Kooperation mit Start-ups macht innovativer

Und die Kooperationen dürften noch weiter zunehmen. „In 2015 sind bisher schon fünf neue Corporate Start-up Partnerships als Inkubator oder Accelerator gestartet worden“, so Kawohl. Im Jahr 2014 seien es nur vier gewesen.

Besonders aktiv sind laut der Studie die Branchen, die von sogenannten disruptiven Technologien bedroht sind: Handelskonzerne, die sich durch den E-Commerce wandeln müssen; Banken, die durch neue Finanztechnologien herausgefordert werden; Chemie und Pharma-Unternehmen sowie nicht zuletzt Medien. In diesen Bereichen haben laut Studie fast alle Großkonzerne eigene Risikokapital-Gesellschaften.

Gerade die Medienkonzerne mischen in der Start-up-Welt ordentlich mit, wie nicht nur das Beispiel von ProSiebenSat.1 vom Anfang zeigt: Laut der Studie wurden 40 Prozent der firmeninternen Risikokapitaleinheiten in den vergangenen fünf Jahren in diesem Sektor gegründet. Von 2011 bis 2014 entstanden insgesamt acht neue Einheiten.