Angehende Gründer geben oft schon auf, bevor sie überhaupt angefangen haben – und das trotz einer guten Idee. Die Angst vor dem Scheitern lähmt sie.

Sie haben eine vielversprechende Geschäftsidee und einen wohl durchdachten Business-Plan und eigentlich müssten sie nur noch durchstarten, doch sie wagen den letzten Schritt nicht.

Wirtschaftswissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben jetzt herausgefunden, dass es die Angst zu scheitern ist, die viele davon abhält sich selbstständig zu machen.

In experimentellen Studien befragten sie über 550 angehende Gründer aus Deutschland. „Sie waren hundertprozentig von ihrer Idee überzeugt und wurden dann mit verschiedenen Hindernissen konfrontiert, die typischerweise im Gründungsprozess auftreten können – etwa, dass finanzielle Ressourcen wegfallen oder die soziale Unterstützung nachlässt“, beschreibt der Autor der Studie, Tobias Kollmann, Professor für E-Business und E-Entrepreneurship, das Vorgehen. Fast alle Teilnehmer ließen sich verunsichern und bewerteten ihre Geschäftsidee auf einmal schlechter. „Dass sie Hindernisse wahrnahmen, aktivierte ihre persönliche Angst vorm Scheitern.“

Auf psychologische Empfindungen achten

Diese Angst, so die Forscher, sei ein so genanntes Vermeidungsmotiv, das man aus früheren Erfahrungen – beispielsweise in Prüfungen oder im Sport – entwickelt hat. Ist ein Versagen wahrscheinlich, entzieht man sich der Situation.

„In früheren Studien wurde die Angst vorm Scheitern vor allem als statische Charaktereigenschaft angesehen, die entweder hoch oder niedrig ausgeprägt ist“, erläutert Kollmann. Diese traditionelle Sicht erklärt zwar, warum manche Leute für sich eine Unternehmensgründung prinzipiell ausschließen bzw. erwägen. „Sie betrachtet den Menschen dennoch zu isoliert. Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass man das dynamisch sehen muss: Die Angst vorm Scheitern ist ein psychologischer Prozess, eine Reaktion darauf, dass sich in der eigenen Umgebung Gefahren anbahnen.“

Kollmann und seine Kollegen empfehlen darum, dass Personen im Gründungsprozess stärker auf psychologische Empfindungen achten sollten. Diese können wichtige Warnsignale sein, um die Situation realistisch einzuschätzen. Andererseits sollten sie sich von der Angst zu scheitern nicht lähmen lassen. Denn selbst, wenn das Start-up schief laufe, sei das nicht das Ende. Wer aus Fehlern lerne, könne mit einer zweiten Chance durchstarten: „Hier muss jedoch auch unsere Gesellschaft offener werden. Scheitern hat leider immer noch ein negatives Image.“