Deutsche Start-ups haben im ersten Halbjahr soviel Risikokapital eingesammelt wie nie zuvor – erstmals spielen auch ICOs eine bedeutende Rolle.

Auch wenn die Klagen mancher Gründer etwas anderes vermuten lassen: Die Finanzierungsbedingungen für Start-ups sind in Deutschland aktuell besser denn je. 2,2 Milliarden Euro Risikokapital haben Unternehmen, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt, im ersten Halbjahr eingesammelt – ein neuer Rekordwert. Das geht aus dem aktuellen Start-up Barometer hervor, den die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY heute veröffentlicht hat.

Deutlich zugenommen haben demnach vor allem größere Tickets. 45 Start-ups haben mehr als zehn Millionen Euro eingesammelt. Die Zahl kleinerer und mittlerer Finanzierungsrunden stagniert. Insgesamt gab es den Erhebungen zufolge 271 Transaktionen. Das sind ebenfalls mehr im Vorjahreshalbjahr.

Einziger Wehrmutstropfen: An der Börse gab es im betrachteten Zeitraum einen leichten Rückgang der Investitionen von 423 auf 173 Millionen Euro. Überbewerten sollte man das aber nicht. Denn hinter den Werten stehen nur zwei Unternehmen, die beide aus dem Rocket-Internet-Universum stammen: Im Juni 2017 hat sich der Essenslieferdienst Delivery Hero aufs Parkett gewagt, Mitte Juni dieses Jahres folgte der Online-Möbelhändler Home24.

Regionale Initiativen zeigen Erfolge

Deutlich an Bedeutung gewonnen haben indes sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs), bei denen Start-ups digitale Tokens statt Anteile am Unternehmen herausgeben. Laut der Studie gab es im ersten Halbjahr 13 ICOs mit einem Volumen von insgesamt 250 Millionen Euro. Im selben Zeitraum 2017 war nur ein ICO registriert woreden. EY erwartet, dass die neue Finanzierungsform trotz kritischer Stimmen weiter an Bedeutung gewinnt.

Wenig überraschend: Das meiste Risikokapital ist erneut an Berliner Start-ups vergeben worden – auf sie entfiel etwa zwei Drittel des Gesamtvolumens. „Andere Start-up-Ökosysteme in Deutschland haben es dagegen grundsätzlich schwerer“, sagt EY-Partner Peter Lennartz. Einigen Regionen gelinge es aber dennoch der Gründermetropole etwas entgegenzusetzen – etwa durch staatliche Förderungen und Netzwerke zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen, etablierten Unternehmen und Start-ups. Aufsteiger beim Finanzierungsvolumen im ersten Halbjahr waren vor allem Bayern, NRW und Hessen.