Das gelobte Start-up-Land verliert an Attraktivität, zeigt eine Bitkom-Umfrage. Weniger Bürokratie und mehr Kapital bleiben jedoch verlockende Argumente.

Jeder dritte deutsche Gründer hätte sich im vergangenen Jahr die USA ausgesucht, wenn man den perfekten Start für das Unternehmen hätte wählen können. Im Jahr eins nach der Wahl von Donald Trump hat sich dieses Bild verändert: Gerade einmal 15 Prozent der deutschen Gründer geben die USA als Wunsch-Startort an. Das zeigt eine aktuelle Auswertung einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 250 Gründern von IT- und Internet-Start-ups hierzulande. „In den Ergebnissen spiegelt sich mit Sicherheit der Trump-Effekt wider“, sagt Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp. „Die USA haben für Start-ups massiv an Anziehungskraft verloren, gleichwohl sind dort die Bedingungen was Finanzierungsmöglichkeiten, Netzwerke und den Absatzmarkt angeht weiterhin sehr gut.“

Wenn nicht Deutschland, dann die USA: Andere Nationen spielen als optimaler Standort kaum eine Rolle. Gerade einmal zwei Prozent der Gründer nennen Großbritannien und Israel als Alternative. Als Hauptvorteil für den Start in einem anderen Land nennen die Befragten bessere Finanzierungsbedingungen (70 Prozent), weniger Regulierung (62 Prozent) und den besseren Austausch mit anderen Start-ups (48 Prozent).

Standort Deutschland kann punkten

Auch eine Untersuchung der Deutschen Börse gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft EY hatte kürzlich gezeigt, dass es im Steuersystem, bei Kapitalanforderungen und in punkto Bürokratie deutlichen Aufholbedarf hierzulande gibt. Im Vergleich von populären Gründer-Zentren weltweit, darunter Israel, Großbritannien und Kalifornien, kann Deutschland jedoch punkten, wenn es um verfügbare Fachkräfte und niedrige Büromieten geht.

Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer der Bitkom-Umfrage sind daher auch überzeugt, dass Deutschland der richtige Ort für ihre Gründung war. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr von 44 Prozent auf 68 Prozent hochgeschnellt. Das zeige, dass sich im Gründerland Deutschland einiges getan habe, so Geschäftsleiter Veltkamp – auch wenn gerade in Hinblick auf die Bundestagswahl noch einiges mehr möglich sei: Ziel muss sein, dass Deutschland international zu einem Magneten für Gründer wird.“