Von wegen Berlin oder Hamburg: Wirklich innovative Start-ups entstehen laut einer Studie in Baden-Württemberg oder Thüringen.

Ausgerechnet die Stadt Rottweil im Schwarzwald steht im Fokus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Die Kölner Wirtschaftswissenschaftler sehen die Stadt mit 25 000 Einwohnern als Wiege für besonders innovative Start-ups in Deutschland. Auf Bundesländerebene schneiden Thüringen und Baden-Würrtemberg am besten ab. Gründerhauptstadt Berlin landet nur auf dem vorletzten Platz.

Für den sogenannten Innovationsatlas haben Forscher des IW untersucht, in welchen Bundesländern technikbegeisterte Gründer am aktivsten sind – die Studie spricht von „Gründungsneigung“. Als Ergebnis liefert die Untersuchung den Anteil von innovationsgetriebenen Start-ups an den gesamten aktiven Unternehmen in einem Bundesland. Die Wissenschaftler lesen aus diesem Wert, wie leistungs- und konkurrenzfähig die deutsche Wirtschaft ist. Grundlage der Studie sind Zahlen aus einer Unternehmensdatenbank sowie eigene Berechnungen des IW. Außerdem wurden nur Gründungen in Deutschland aus dem Zeitraum von Januar 2012 bis Juli 2016 berücksichtigt.

Überraschend schafft es Thüringen auf den Spitzenplatz. In dem Bundesland kommen 42 innovationsgetriebene Neugründungen auf 10 000 aktive Unternehmen. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 31 Neugründungen je 10 000 aktive Unternehmen. Hintergrund seien erfolgreiche Förderprogramme des Landes, so die IW-Forscher.

Tech-Szene ist im Schwarzwald zu finden

Den zweiten Platz sichert sich Baden-Württemberg. Die Stadt Rottweil dürfte ihren Beitrag zu der guten Platzierung geleistet haben: Mit 71 innovativen Start-ups je 10 000 aktive Unternehmen sticht der Wirtschaftsraum im Schwarzwald aus den Ergebnissen der Studie heraus. Denn die Stadt kommt auf weit mehr als doppelt so viele innovative Jungfirmen als der Bundesdurchschnitt. Als Gründe nennt das IW die gute Infrastruktur in der Gegend und eine aktive Gründerszene.

Aktiv ist eigentlich das Stichwort, das im Zusammenhang mit der Hauptstadt Berlin fällt. Tatsächlich entstehen dort die meisten Start-ups, aber für die Wirtschaftswissenschaftler zählt Qualität statt Quantität: Sie stellen fest, dass die Berliner Gründer eher an Dienstleistungen feilen, für die weniger Know-How nötig ist als für technologische Innovationen. Deswegen landet die Großstadt mit nur 29 innovationsspezifischen Gründungen pro 10 000 aktive Unternehmen auf einem der hinteren Plätze. Ein Fazit der Forscher: Tech-Start-ups seien selten in Ballungsräumen zu finden, weil die Fixkosten wie beispielsweise Mieten dort zu hoch lägen.

Als Verlierer geht auch Nordrhein-Westfalen aus der Studie hervor. Das bevölkerungsreichste Bundesland liegt gleichauf mit Berlin, was den Wissenschaftlern Grund zur Sorge gibt. Sie fordern daher von der Politik, insbesondere Start-ups im Tech-Bereich mit Förderprogrammen zu unterstützen. Auch andere Studien sehen hier Aufholbedarf – und die Gründer bereiten sich schon mit eigenen Forderungen auf die Bundestagswahl im September vor.