Etablierte Unternehmen schätzen die Innovationskraft von Start-ups. Doch laut einer Befragung unter 250 KMU sind Kooperationen oft noch ein Zufallsprodukt.

Frische Ideen, Zugang zu neuen Technologien: Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) entdecken zunehmend Start-ups Impulsgeber. Systematisch gehen dabei aber erst wenige vor. Das ist ein Ergebnis der Studie „Mittelstand meets Startups 2018“, die das RKW Kompetenzzentrum heute in Berlin vorgestellt hat. Sie beruht auf einer Befragung von 250 KMU aus den Branchen Maschinen- und Fahrzeugbau, Information und Kommunikation sowie Chemie und Pharma.

Knapp eine Drittel der Befragten hat demnach bereits entsprechende Kooperationserfahrungen, etwa in Form von Entwicklungspartnerschaften oder Zulieferverhältnissen. Für die Mehrheit geht es darum, neue Technologien zu erschließen oder neue Produkte zu entwickeln. In 70 Prozent der Fälle werden die gesetzten Ziele auch ohne nennenswerte Abweichungen erreicht – fast alle der kooperationserfahrenen KMU wollen auch in Zukunft mit Start-ups zusammenarbeiten.

Persönliche Empfehlungen entscheidend

Doch so positiv die Zusammenarbeit auch ist: Vielfach ist sie noch ein Zufallsprodukt. Denn in der Regel kommt der Kontakt durch persönliche Empfehlungen zusammen. Weniger als ein Drittel der KMU sehen sich in der Start-up-Welt aktiv nach möglichen Kooperationspartnern um. Und 42 Prozent Mittelständler kommunizieren bisher gar nicht mit Gründern. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam zuletzt eine Befragung des Digitalverbands Bitkom.

„Auf dem Weg zur gezielten Zusammenarbeit besteht definitiv noch Luft nach oben“, sagt Eduard Sailer, Vorstandsvorsitzender des RKW Kompetenzzentrums. In der gemeinsamen Arbeit mit Start-ups erschlössen sich etablierten Mittelständlern nicht nur neue Märkte und Zielgruppen, sondern auch Einblicke in andere Unternehmenskulturen. „Deshalb sollten KMU diese Chancen unbedingt strategisch prüfen und gezielt nach passenden Gründern suchen.“

Brücken zwischen den Welten

Aus Start-up-Sicht zeigt sich einmal mehr, wie schwierig es ist, etablierte Unternehmen abseits persönlicher Kontakte auf sich aufmerksam zu machen. Das liegt auch daran, dass viele Mittelständler sich verschlossen geben – und etwa die richtigen Ansprechpartner schwer zu identifizieren sind. Brücken schlagen können beispielsweise Messen und andere branchenspezifische Fachveranstaltungen.

An Bedeutung gewinnen indes auch Investitionsnetzwerke. So erhält etwa der High-Tech Gründerfonds (HTGF) immer mehr Geld von Mittelständlern. Diese erhoffen sich nach Einschätzung von HTGF-Geschäftsführer Michael Brandkamp über die Beteiligung auch neue Kooperationschancen. Bei der RKW-Befragung gab jeder fünfte Mittelständler an, in Start-ups eine Investitionsmöglichkeit zu sehen.