15 Prozent aller Amerikaner sind Immigranten. Eine neue Studie zeigt: Die Einwanderer gründen überdurchschnittlich oft Unternehmen.

Die USA gelten traditionell als Einwanderungsland. Aber bislang gab es kaum belastbare Informationen darüber, wie erfolgreich Migranten auf dem US-Arbeitsmarkt wirklich sind. Ein Missstand, den eine neue Studie nun behebt.

William Kerr, Professor an der Harvard Business School, durchforstete gemeinsam mit seiner Frau Sari Pekkala Kerr eine Datenbank der amerikanischen Volkszählungsbehörde: In der „Longitudinal Employer Household Database“ sind die Beschäftigungszahlen von 200 Millionen Amerikanern seit 1992 festgehalten. Das Forscherehepaar interessierte vor allem eine Frage: Wie viele Einwanderer machten sich in den USA in dem Zeitraum selbstständig?

Fazit: Etwa 24 Prozent aller Unternehmer waren Immigranten. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung liegt ihr Anteil nur bei 15 Prozent – ein Indiz dafür, wie gerne Einwanderer gründen. Die Tendenz ist steigend: Der Anteil der Migranten unter den Gründern kletterte von 17 Prozent im Jahr 1995 auf 28 Prozent im Jahr 2008.

In Deutschland ist die Situation ähnlich, auch hier gründen besonders viele Menschen mit Migrationshintergrund. Etwa jeder fünfte Gründer in Deutschland hat entweder eine ausländische Staatsbürgerschaft oder die deutsche erst später erworben. 2014 trieben 179.000 Migranten eine Existenzgründung voran.

Nun heißt das noch lange nicht, dass jedes Unternehmen langfristig erfolgreich ist. US-Wissenschaftler Kerr machte eine interessante Beobachtung: „Immigranten scheitern mit ihrem Unternehmen häufiger als der Rest“, sagt Kerr, „aber wer langfristig erfolgreich ist, der schafft umso mehr Arbeitsplätze.“ Anders formuliert: Offenbar haben viele Immigranten eine Neigung, bei der Gründung mehr Risiko einzugehen. Das wird womöglich durch Scheitern bestraft – aber im Erfolgsfall umso stärker belohnt.