Weltweit sind in Finanzdienstleistungs-Start-ups im ersten Halbjahr 2018 bereits mehr Geld geflossen als im gesamten letzten Jahr.

Zwölf Millionen Euro sammelte das Berliner Start-up Demico ein, der Kreditvermittler Smava erhielt eine Kapitalspritze von 54 Millionen Euro, bei der Smartphone-Bank N26 waren es gar 130 Millionen: Im ersten Halbjahr 2018 mehrten sich die großen Finanzierungs-Tickets für Fintechs in Deutschland. Die Entwicklung folgt einem internationalen Trend – nie zuvor ist weltweit mehr Geld in Start-ups geflossen, die Finanzdienstleistungen anbieten.

Satte 57,9 Milliarden Euro (rund 49,4 Milliarden Euro) sind zwischen Anfang Januar und Ende Juni in Fintechs investiert worden, ergab eine heute veröffentlichte Auswertung von KPMG. Demnach wurde bereits die Summe des gesamten vergangenen Jahres (38,1 Milliarden Dollar) übertroffen. Dahinter stehen 875 Transkationen.

Laut der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stechen dabei zwei Mega-Deals hervor. Das Alibaba-Spin-off Ant Financial hat im Juni 14 Milliarden Dollar eingesammelt – es war laut KPMG der größte Wagniskapital-Deal überhaupt. Und der Zahlungsabwickler Worldpay wurde für 12,9 Milliarden Dollar vom Wettbewerber Vantiv übernommen.

Zahl der Fintechs in Deutschland wächst

Angesichts des wachsenden Investoren-Interesses ist wenig überraschend, dass immer mehr Gründer ihr Glück auf dem Finanzmarkt suchen. Laut einer eine aktuelle Auswertung von Deutsche Bank Research gibt es alleine in Deutschland aktuell mehr als 700 Fintechs – sie stellen damit etwa vier Prozent aller Start-ups. Beeindruckend ist das starke Wachstum seit 2008: Von Jahr zu Jahr hat die Zahl der Fintechs um je ein Drittel zugenommen.

Nach Einschätzung der Studienautoren profitieren die Start-ups hierzulande davon, dass die Deutschen zunehmend aufgeschlossen gegenüber digitalen Finanzangeboten sind. So hätten 2017 drei Viertel der Internetnutzer Online-Banking genutzt – gleichzeitig haben 30 Prozent keinen Fuß mehr in eine Bankfiliale gesetzt. Auch die Bereitschaft, Online-Bezahldienste zu nutzen, habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Robo-Advisor auf dem Vormarsch

Auf dem Vormarsch im B2C-Geschäft sind vor allem Robo-Advisor, die für Kunden automatisch Geld anlegen. Der Studie zufolge tummelten sich im ersten Quartal etwa 40 Anbieter in Deutschland, die zusammen 1,7 Milliarden Euro verwalten. 60 Prozent des Volumens war dabei allein auf Scalable Capital zurückzuführen. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr auch neues Geld von Investoren bekommen– und kooperiert mit vielen Banken.

Auf Kooperationskurs mit Geldinstituten sind auch viele B2B-Fintechs. Diese finden aktuell günstige Bedingungen vor: Bereits 90 Prozent der großen Banken kooperieren laut Deutsche Bank Research aktuell mit den neuen Anbietern oder planen dies. Andere Marktbeobachter weisen indes darauf indes hin, dass sich viele B2B-Fintechs durchaus auch als Konkurrenten der Geldinstitute verstehen.