Die Zahl der Proptechs in der DACH-Region steigt stark – auch weil sich die Finanzierungsbedingungen deutlich verbessern.

Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, die Mitarbeiterzahlen steigen – und die Preise ziehen weiter an: Die Geschäfte in der Baubranche und in der Immobilienwirtschaft laufen rund. Von dem Umfeld profitieren auch Start-ups: Sogenannten Proptechs sind in diesem Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz bislang 46 Finanzierungsrunden gelungen. Zusammen haben sie dabei 164,2 Millionen Euro an Wagniskapital eingesammelt. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des in Frankfurt ansässigen Accelerators Blackprint Proptech Booster hervor.

Demnach ist die Zahl der Finanzierungsrunden deutlich gestiegen. Im Vorjahr wurden erst 27 gezählt. Hinzu kommt: Gründer finden schneller erste Investoren. Gegenüber 2013 hat sich diese Zeit sogar halbiert. „Dadurch, dass sich immer mehr Venture-Capital-Fonds und strategische Investoren an Proptechs beteiligen, professionalisiert sich der Finanzierungsmarkt zunehmend“, beobachtet Jakob Schulz, Senior Program Manager beim Accelerator.

Proptechs vermitteln gerne

Davon profitiert haben in den vergangenen Wochen etwa Reinvent und Capmo aus München mit ihren Softwarepaketen für das Baumanagement. Beide haben sich kräftige Anschubfinanzierungen gesichert. Satte 30 Millionen Euro konnte der Gebäudedigitalisierer NavVis einsammeln. Ein großes Ticket ging in diesem Jahr auch an Allthings: Zwölf Millionen hat die Plattform für Gebäudebesitzer und -dienstleister im Sommer erhalten.

Insgesamt wurden bei der Erhebung nun 527 Proptechs in der DACH-Region gezählt. Die meisten Start-ups sind vermittelnd tätig oder wollen die Verwaltung von Immobilien erleichtern. „Wir sehen allerdings, dass neue digitale Geschäftsmodelle immer technologiegetriebener werden“, sagt Schulze. „Deshalb gehen wir davon aus, dass der Anteil und der Einfluss der Proptechs insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz oder Internet of Things deutlich zunehmen wird.“

Ausbau des Blackprint Boosters

Der Blackprint Proptech Booster selbst wurde Anfang 2017 von der auf Proptechs spezialisierten Beteiligungsgesellschaft Blackprintpartner initiiert. Daran beteiligt sind neben anderen der Wohnungskonzern Vonovia, die Anwaltsfirma CMS Hasche Sigel und die Commerzbank. Zwölf Protechs haben das sechsmonatige Programm durchlaufen, in elf hat der Accelerator über den dazugehörigen Fonds investiert. Die dritte Runde war im Sommer gestartet – unter anderem mit dem Online-Dachdecker Stegimondo.

Nun soll der Proptech Booster zu einem europäischen „Proptech Hub“ ausgebaut werden. Ziel sei es, mit einem noch breiteren Netzwerk an Industriepartnern und Kapitalgebern künftig verstärkt auch Proptechs aus dem europäischen Ausland zu fördern. „Wir beobachten in ganz Europa viele spannende Ansätze, die die Branche effizienter gestalten möchten. Der deutsche Markt ist groß genug, um entsprechend zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu skalieren“, so Booster-Geschäftsführer Alexander Ubach-Utermöhl. Starten soll die vierte Programmrunde im Februar.