Die Mainmetropole will zu einem führenden Standort für Finanztechnologie-Start-ups werden, fällt aber gegen Berlin und München zurück.

Als Standort für die Finanzbranche hat sich Frankfurt international einen Namen gemacht – und lockt vor dem Brexit zunehmend Banker aus London an. Doch an anderer Stelle verliert die Mainmetropole an Strahlkraft: Neue Start-ups aus dem Bereich der Finanztechnologie bevorzugen verstärkt Berlin und München als Standort. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Fintech-Studie der Direktbank Comdirect.

Demnach gab es zwischen Anfang 2017 und Ende September 2018 in Berlin 39 Gründungen in der Branche. In München waren es 22, in Frankfurt dagegen nur 17. Damit verzeichnet die bayerische Hauptstadt laut Comdirect erstmals auch insgesamt mehr Fintechs als die Mainmetropole. „München überzeugt durch einen ausgewogenen Mix aus Gründern und Kapitalgebern. Frankfurt bleibt hingegen als Fintech-Standort hinter den eigenen Ansprüchen noch zurück“, kommentiert Comdirect-Chef Arno Walter.

Die neuen Zahlen sind eine Schlappe für das im Februar von der hessischen Politik und Wirtschaft ausgegebene Ziel, Frankfurt bis zum Jahr 2022 zu einem führenden Fintech-Zentrum in Europa zu machen. Der Masterplan sieht vor, über 400 neue Finanztechnologie-Start-ups am Main anzusiedeln. Die Initiatoren hoffen auch darauf, dass die jungen Unternehmen die Nähe zu Banken suchen. Denn eine wachsende Zahl von Fintechs sehen in den etablierten Finanzdienstleistern keine Konkurrenz, sondern Kooperationspartner. Doch offenbar ist für die meisten Gründer in der Branche das insgesamt größere Start-up-Ökosystem in Berlin und München wichtiger.

Hamburg zieht viel Wagniskapital an

Spiegelbildlich zu den Gründungszahlen sieht es laut der Comdirect-Studie beim Wagniskapital aus: Bei der Zahl der Finanzierungsrunden liegen Berliner Fintechs weit vorne, gefolgt von München und Frankfurt. Beim insgesamt eingesammelten Kapital haben sogar Unternehmen aus Hamburg die Frankfurter Firmen von Platz drei verdrängt. Maßgeblich dazu beigetragen haben dürfte die 110 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde von Kreditech im Mai 2017.

Trösten können sich hessische Standortstrategen damit, dass zumindest aus dem Rest der Republik keine ernsthafte Konkurrenz droht. Erst mit deutlichem Abstand zu den vier Fintech-Hubs Berlin, München, Frankfurt und Hamburg folgen Städte an Rhein und Ruhr. Gemessen an der Zahl der Fintechs schneidet in Nordrhein-Westfalen Köln noch am besten ab. Zum vollständigen Comdirect-Ranking geht es hier.