Einer aktuellen Studie zufolge richtet sich etwa die Hälfte der deutschen Fintechs an Firmenkunden. Besonders populär sind Finanzierungslösungen für Unternehmen.

Von aktuell insgesamt 544 Fintechs buhlt knappt mehr als die Hälfte um Unternehmenskunden. Die Gründer vermuten dabei offenbar besonders bei Finanzierungen gute Marktchancen. Zu diesem Ergebnis kommt die B2B-Fintech-Studie „Gegner, Helfer, Partner. Fintechs und das Firmenkundengeschäft der Banken“. Die Studie haben die Kanzlei CMS Hasche Sigle, die Wirtschaftsprüfung Deloitte, die Direktbank ING-DiBa und das Magazin Finance aufgelegt.

Demnach bietet ein Viertel der 284 deutschen B2B-Fintechs Finanzierungslösungen an. Darunter fallen Kreditvermittler ebenso wie etwa Anbieter von Forderungsfinanzierungen. Fast ein Fünftel der B2B-Fintechs konzentriert sich auf die Immobilienwirtschaft. Weitere Schwerpunkte sind Accounting-Lösungen und der Zahlungsverkehr. Im Unterschied zum B2C-Segment spielt die Geldanlage dagegen so gut wie keine Rolle.

„Der Fokus im B2B-Fintech-Geschäft liegt auf Effizienzsteigerung und Automatisierung bestehender Prozesse“, fasst Hans-Jürgen Walter, Partner und Leiter Financial Services Industry bei Deloitte, zusammen. „Dies setzt einen höheren Reifegrad des Geschäftsmodells gegenüber B2C-Modellen voraus, der zwar zu höheren Anlaufkosten, jedoch auch zu langfristigen und profitablen Geschäftsbeziehungen führt.“

Berlin ist Hauptstadt der Fintechs

Mit ihren Angeboten sind 103 der Fintechs in einem Gebiet unterwegs, das auch Banken im Firmenkundengeschäft abdecken. Nur selten verstehen sich die Gründer dabei als Dienstleister für Geldinstitute: In drei Viertel der Fälle fordern sie vielmehr direkt deren Geschäftsmodell heraus. Swen Möllmann, Head of Digital Strategy & Innovation bei der ING-DiBa AG, wirbt deswegen für Kooperationen zwischen den etablierten Anbietern und Fintechs. Er mahnt außerdem: „Banken müssen ihre internen Strukturen in Richtung einer agilen Organisation verändern.“

Die Studie gibt auch Aufschluss über die geografische Verteilung der Fintechs: Demnach haben sich die meisten in Berlin angesiedelt. Allerdings legen die Hauptstadt-Start-ups in vielen Fällen einen Fokus auf Endkunden. Der Anteil von Fintechs, die sich an Unternehmen richten, ist in München und Frankfurt höher. Beide Städte sind wichtige Finanzplätze.