Wird Bayern das neue Berlin? Welche Branchen bekommen am meisten Wagniskapital? Und wer führt in Europa? Das waren die wichtigsten Entwicklungen in der Start-up-Szene 2016.

Dass Berlin nicht mehr die Start-up-Haupstadt Europas ist, weiß man mittlerweile. Und wir haben auch schon darüber berichtet, dass der Boom an Wagniskapitalfinanzierungen in Deutschland erstmal vorbei ist. Nachdem heute das neue Start-up-Barometer erschienen ist – eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY über die deutsche Gründerszene – wollten wir wissen, welche überraschenden Entwicklungen uns die Finanzierungsrunden von Start-ups verraten. Unsere folgenden Grafiken zeigen drei Trends:

Großbritannien deutlich vor Deutschland, die nur noch knapp vor Frankreich liegen.

2015 waren noch Zeiten: Deutsche Start-ups sammelten mehr als drei Milliarden Euro Wagniskapital ein und Berlin durfte sich Start-up-Hauptstadt Europas nennen. Doch wenn man die vergangenen vier Jahre betrachtet, wird klar, dass Deutschland von Großbritannien deutlich abgehängt wurde – und dass Frankreich mächtig aufgeholt hat. Im vergangenen Jahr sammelten deutsche Start-ups rund 2,2 Milliarden Euro Wagniskapital ein, nur wenig mehr als die französischen Wettbewerber.

Der Grund für das geringere Investitionsvolumen in Deutschland ist, dass es 2016 keine einzige Finanzierungsrunde mit einem Wert von mehr als 100 Millionen Euro gab. Im Jahr davor gab es sieben solcher Megadeals. Demgegenüber stieg die Zahl der kleinen und mittelgroßen Deals (bis zehn Millionen Euro) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast die Hälfte.

In Großbritannien sorgte der Essen-Lieferant Deliveroo für die größte Finanzierungsrunde (245 Millionen Euro), in Frankreich war es das Telekommunikationsunternehmen SigFox (150 Millionen Euro) und in Deutschland schloss der Kochboxen-Versand HelloFresh mit 85 Millionen Euro die größte Finanzierungsrunde ab. Europäischer Spitzenreiter 2016 war jedoch der schwedische Streamingdienst Spotify: Das Stockholmer Start-up sammelte 900 Millionen Euro Wagniskapital ein.

Bayern hat 2016 fast die Hälfte des Wagniskapitals von Berlin eingesammelt.

Die Entwicklung der Finanzierungsvolumen nach Bundesländern zeigt: Berlin ist zwar immer noch die Nummer eins, aber Bayern holt stark auf. Das Bundesland mit dem Hightech-Standort München steigerte die Summe aller Wagniskapitalrunden um 87 Prozent auf 527 Millionen Euro. Das entspricht in etwa der Hälfte des Geldes, das in Berlin eingesammelt wurde. Zweiter Aufsteiger ist NRW, die ihren Zuwachs um 57 Prozent steigern konnten – getrieben durch größere Finanzierungsrunden von Kölner Start-ups.

Mobilität, Gesundheit, Software und Energie sind die neuen Trendbranchen in der deutschen Start-up-Szene.

Während im Jahr 2015 fast das gesamte Wagniskapital in Deutschland in Onlinehändler und Finanz-Start-ups floss, wuchs im vergangenen Jahr in Branchen wie Mobilität, Gesundheit, Software und Energie die Summe an Wagniskapital deutlich. Dabei sind die Branchen auf verschiedene Regionen verteilt:

Die mit Abstand meisten Deals und das mit Abstand höchste Finanzierungsvolumen im Bereich e-Commerce verzeichnete 2016 Berlin: 61 Prozent der im Bereich e-Commerce insgesamt investierten 422 Millionen Euro gingen an Hauptstadt-Startups.

Und Berliner FinTech-Unternehmen erhielten 2016 in 30 Finanzierungsrunden insgesamt 258 Millionen Euro an frischem Kapital – das sind 63 Prozent des in Deutschland im vergangenen Jahr investierten Gesamtbetrages in diesem Bereich.

Bayern hat sich als wichtiger Standort für Gesundheits-Start-ups etabliert: Insgesamt 118 Millionen Euro flossen 2016 im Bereich Health an bayerische Startups, das sind 42 Prozent des gesamten investierten Kapitals.

Und fast 30 Prozent des investierten Risikokapitals im Bereich Mobilität floss ebenfalls nach Bayern – getrieben vor allem durch FlixBus. Berliner Startups erhielten 60 Prozent des Kapitals, das im Bereich Mobility investiert wurde.