Apartments für Studierende entstehen derzeit überall. Auch Investoren wollen davon profitieren. Acht private Anbieter und ihre Konzepte.

Von Jule Zentek

Mit Antritt eines Studiums beginnt für die meisten auch ein neuer Lebensabschnitt – inklusive Umzug in die neue Stadt. Doch die Wohnungssuche ist bekanntlich nicht einfach. Es herrscht Knappheit an günstigem Wohnraum.
Rund 2,8 Millionen eingeschriebene Studierende zählten die deutschen Universitäten und Hochschulen im Herbst 2016. Die Anfängerquote liegt dabei mit rund 500.000 Studienanfängern noch immer hoch. Seit Jahren sind diese hohen Zahlen bekannt: Zwischen 2008 und 2015 stieg die Studierendenanzahl insgesamt um 42 Prozent. Deshalb entdecken auch private Anbieter den Markt für sich.

Seit 2010 gibt es die Wohnheime von privaten Betreibern wie Youniq, The Fizz oder Headquarter. Sie stehen in den größten deutschen Städten und Universitätsstädten – dort wo die Nachfrage am größten ist. Dabei bieten sie mehr als nur Wohnraum: Sie wollen ein Studentenleben der Luxusklasse ermöglichen.

Concierge-Service inklusive<h/2>

Die vollmöblierten Zimmer mit Bad und Küchenzeile erinnern mehr an teure Hotelapartments, als an ein klassisches Studentenwohnheim. Und das hat seinen Preis: Rund 400 bis 700 Euro zahlt man für die Zimmer im Luxuswohnheim im Durchschnitt. Im Vergleich: Etwa 250 Euro Warmmiete pro Monat verlangt das Deutsche Studentenwerk.
Die Betreiber locken mit Extras: Ein Fitnessstudio, Concierge-Service, House-Manager oder auch der Handtuch- und Roomservice. Auch um High-Speed-Internet, Parkplätze und Waschgelegenheiten müssen sich Mieter nicht kümmern – alles inklusiv. Außerdem gibt es Events, an denen Bewohner teilnehmen können – so soll Gemeinschaftsgefühl entstehen.

Private Anbieter und ihre Konzepte:

The Fizz
Den klammen Wohnungsmarkt für Studierende auflockern – das sollen die Wohnungsangebote von „The Fizz“. Nach dem ersten Wohnheim in Bremen folgten Häuser in Berlin und Freiburg. Mittlerweile ist das Unternehmen mit insgesamt sieben Wohnhäusern in den größten deutschen Universitätsstädten vertreten. Doch „The Fizz“ plant weiter: 15 bis 20 Studierendenhäuser sollen in den kommenden Jahren hinzukommen. Diese sollen in den deutschen „Big Seven“ sowie in den wachsenden Universitätsstädten entstehen.

Das Unternehmen ist schnell in der Umsetzung: Passend zum Beginn des Wintersemesters 2018 sollen fünf weitere Studentenwohnheime eröffnet werden. Die hohe Nachfrage auf dem deutschen Markt nutzt der Betreiber, die International Campus AG, zur Expansion: Das Unternehmen investierte in den Niederlanden. Dort soll es bis Mitte 2017 insgesamt fünf Studentenwohnhäuser geben. Rund 144 Millionen Eigenkapital von institutionellen Anlegern konnten das Tochterunternehmen IC Netherlands dazu sammeln.
Youniq
Zu einem der ersten deutschen Anbieter des Microliving zählt „Youniq“. Seit 2009 ist das Unternehmen auf dem Markt der Studentenwohnheime aktiv. Weit mehr als 3.000 Apartments in acht Universitätsstädten sind seitdem entstanden. Zum Wintersemester 2018 eröffnet das neunte Youniq-Haus in Berlin: Rund 500 Euro kostet ein 19 Quadratmeter großes Zimmer.

Rund 17 Millionen Umsatz erwirtschaftete das Unternehmen 2014. Doch an der Börse lief es für den größten deutschen Privatanbieter nicht rund: 2013 machte die Youniq-AG einen Verlust von 54,1 Millionen Euro. Nach einem Squeeze out zwei Jahre später übernahm die Corestate Ben BidCo AG die Youniq-Gruppe als Konzernmutter.
Headquarter
Das erste „Headquarter“ entstand 2012 in Frankfurt – schnell folgten Wohnheime in Münster und Darmstadt. Die stetig große Nachfrage sorgte für ausgebuchte Apartments. Diesen Boom nutzt das Unternehmen: 2016 eröffnete ein weiteres Haus in Dresden – noch in diesem Jahr soll ein weiterer Standort in Frankfurt folgen.

Entstanden ist Headquarter durch Torsten Toeller – dem Gründer und Eigentümer der Tierbedarfskette Fressnapf. Mit seinem Unternehmen Devario Invest investiert Toeller seit 2012 in Immobilien. 2016 verkaufte Devario die Headquarter-Studentenwohnheime an die Global Student Accommodation (GSA). Die GSA-Marke „Uninest“ managt seither den Betrieb.
Smartments
Mehr Wohnraum für Studenten schaffen – so lautet das gemeinnützige Ziel der Moses Mendelssohn Stiftung. Unter der Marke „SMARTments Student“ werden die Mikroapartments sei 2012 in Deutschland und Österreich betrieben. Die Preise sind vergleichsweise gering: Etwa 450 Euro kostet die Warmmiete in Berlin. Entwickelt werden die Häuser von der Berliner Gesellschaft für Beteiligung (GBI). Sie verkauft die Objekte schließlich an institutionelle und private Anleger. Der Fokus liegt dabei auf den Hochschulmetropolen: Dort erwarten die Entwickler auch zukünftig eine gute Rendite.

Das Konzept scheint erfolgreich: Rund 13 Wohnheime werden bereits betrieben – darunter sieben geförderte Wohnheime. Fünf weitere befinden sich derzeit im Bau, wie etwa ein zweites Smartment-Wohnheim in Köln. Ein Investor ist mit der Württembergischen Lebensversicherung AG bereits gefunden.
Studio House Berlin
Möblierte Wohnungen in Berlin Mitte mit Sorglos Paket – damit wirbt das „Studio House Berlin“. Wer sich für eine Wohnung entscheidet, erhält eines der 193 „Studios“ – so lautet der Plan. Im Herbst 2017 soll das Gebäude direkt am Mauerpark bezugsfertig sein. Die Investa Immobiliengruppe entwickelte das Projekt gemeinsam mit der Grothe Gruppe. Sie investierten rund 25 Millionen Euro – und werben mit den Wohnungen als Kapitalanlage. Zwischen 120.000 und 276.000 Euro kosten die Apartments – weit über die Hälfte der sind bereits verkauft. Eigentümer können die Wohnungen dann von einem Vermietungsservice managen lassen.
You5
Maximal sechs Monate können Studierende die Apartments von „You 5” mieten. Bislang gibt es das Angebot nur in Frankfurt am Main – den Betrieb übernimmt die You5 gGmbH. Die Idee entstand in der Not: Das Sozialwerk Main-Taunus suchte dringend neue Räumlichkeiten. Die Freie Christengemeinde Frankfurt entschloss sich daher bezahlbaren Wohnraum für Berufsanfänger und Studierende zu schaffen. 2015 öffnete das Wohnheim mit 58 Apartments.
Das Gemeinschaftsgefühl steht bei dem Konzept im Fokus: So gibt es einen modernen Sonntagsgottesdienst, Gemeinschaftsküchen und Gemeinschaftsräume.

Stuart Studentenapartments
Hamburg zählt als Brennpunkt bei der Wohnungsnot für Studierende. Das rief schnell private Investoren auf den Plan: 2014 entstanden in Hamburg-Ottensen die „Stuart Apartments“. Wo früher das alte Reichsbahngebäude stand, leben heute Studenten – mit eigene Kochecke, Mini-Luxusbad und Lounges für gemeinsame Aktionen. Zwischen 480 und 1000 Euro kosten die 15 bzw. 50 Quadratmeter großen Apartments.

Der Betreiber, die DWI Grundbesitz GmbH, hat dazu die Gebäudekomplexe ihres Immobilien-Projekts „Bahn_Hoefe“ genutzt. Neben einer Kita, Hochschulen und Büroräumen sind so 215 Mirko-Apartments entstanden – das erste Wohnheimprojekt der Stuart Management GmbH.

Bed & Brains
273 Mini-Apartments gibt es seit Beginn des Jahres im Frankfurter Mertonviertel. Aus einem alten Bürogebäude entstanden die möblierten Wohnungen von „Bed & Brains“. Doch nicht nur Studenten dürfen dort einziehen: Zur Zielgruppe gehören auch junge Gutverdiener. Pendler und Young Professionals können die 21 bis 36 Quadratmeter großen Zimmer für 400 bis 700 Euro mieten – zuzüglich Betriebskosten.
Das Bed & Brains-Wohnhaus in Frankfurt ist das erste Projekt der Signa Urban Living GmbH – Tochterunternehmen der Signa Unternehmensgruppe. Laut Geschäftsführer Eckard Höschler ist das erst der Anfang: Noch 2017 sollen drei bis vier weitere Projekte in Deutschland folgen.