Daimler setzt für sein neustes Carsharing-Start-up auf einen Fintech-Partner. Auf ein ähnliches Kooperationsmodell setzen immer mehr Konzerne.

Ein VW-Bulli in Berlin über das Wochenende ausleihen? Oder in Köln nur für ein paar Stunden mit dem Kombi zum Möbelhaus? Den Austausch von Fahrzeughaltern  und Nutzern will das Berliner Start-up Croove ermöglichen, das zum Daimler-Konzern gehört. Als „AirBnB für Autos“ bemüht das junge Unternehmen einen häufig genutzten Vergleich und will das Geschäft zwischen Privatpersonen möglichst einfach abwickeln. Im Hintergrund kooperiert die Carsharing-Plattform mit einem Fintech: Die Zahlungen hinter diesem sogenannten „Peer-to-Peer“-Geschäft werden über den Zahlungsdienstleister Stripe abgewickelt, wie WiWo Gründer erfuhr.

„Für Croove waren wir auf der Suche nach einer Zahlungslösung, bei der jeder Autobesitzer als eigener Vertragspartner geführt wird“, sagt Jonas Stüdemann, Chief Marketing Officer beim Daimler-Start-up. Für jeden Neuanmeldung – ob als Vermieter oder Fahrer – wird im Hintergrund automatisch ein Stripe-Konto eingerichtet, über das die Buchungen abgerechnet werden.

Croove wurde im Herbst 2016 gegründet und wird offiziell aktuell in München und Berlin angeboten – auf der Homepage finden sich auch Privatpersonen, die ihre Autos in anderen deutschen Städten bereit stellen. Die Plattform ist offen für Autos aller Hersteller.

Kooperationen außerhalb des Kerngeschäfts

Offiziell war Stripe erst Ende Juni in Deutschland gestartet. In mehreren Kooperationen – unter anderem seit Ende des vergangenen Jahres mit dem Daimler-Start-up – hatte der Zahlungsdienstleister sich bereits auf dem deutschen Markt vorgetastet. Das us-amerikanische Unternehmen konzentriert sich darauf, die Infrastruktur für die Zahlungsabwicklung zwischen Online-Shops, -Plattformen und deren Nutzern herzustellen.

Das erklärt auch das hohe Tempo bei der Partnersuche: Anfang August hatte der Versicherungskonzern Munich Re bekannt gegeben, das es seinen Insurtech-Start-ups Zugang zu den Diensten von Stripe ermöglichen will. Eine anderer Versicherungskonzern ist bei Croove mit an Bord: Die Fahrten werden von der Allianz versichert.

Die jetzige Kooperation belegt, dass gerade Deutschlands Konzerne bei den Kooperationen mit Start-ups mutiger werden. Eigene Digitaltöchter bieten dabei häufig leichtere Anknüpfungspunkte als das tradierte Stammgeschäft. Volkswagen sicherte sich vor einigen Wochen über die Digital-Konzermarke Moia einen Software-Anbieter für Mitfahrgelegenheiten aus Finnland. MyTaxi, ebenfalls ein Daimler-Geschäft, übernimmt aktuell europaweit Konkurrenten.