Die Plattform für private Mitfahrgelegenheiten will in Zukunft Gebühren verlangen. Riesen-Geschäft oder unternehmerischer Selbstmord? Die Konkurrenz jedenfalls freut es.

Von Katja Scherer

Ein Mann rollt in einem blauen Auto durch eine triste Betonwüste, er ist allein, seine Mundwinkel hängen. Nächstes Bild: drei Männer und eine Frau fahren in einem gelben Auto vorbei an grün bewachsenen Hügel. Sie lachen. Die Botschaft in einem Werbespot von Europas größter Mitfahrzentrale BlaBlaCar könnte nicht klarer sein: Mitfahren macht glücklich.

Über die neuen Pläne des französischen Unternehmens dürften die Nutzer allerdings nicht ganz so glücklich sein. Seit Anfang des Jahres werden Fahrten nur noch über ein Online-Buchungssystem vermittelt. Mitfahrer müssen ihre Reise vorab per Kreditkarte oder über den Zahlungsdienst Paypal bezahlen. Bei einer Absage bis zu einem Tag vor der Fahrt bekommen sie ihr Geld zurück, danach noch die Hälfte. Erscheint ein Passagier nicht, erhält der Fahrer den gesamten Betrag. „Das macht das Mitfahren einfacher und verbindlicher“, sagt BlaBlaCar-Deutschland-Chef Olivier Bremer. Vor allem aber macht es das Buchen teurer: Noch in diesem Jahr will BlaBlaCar eine Vermittlungsgebühr von etwa drei Euro pro Fahrt einführen.

Ein Milliardengeschäft

Private Mitfahrten sind für viele Menschen inzwischen eine echte Alternative zu Bus und Bahn. BlaBlaCar zum Beispiel erreicht nach eigenen Angaben pro Quartal mehr als zehn Millionen Menschen. Die Unternehmensberatung Roland Berger schätzt, dass der globale Markt für organisiertes Mitfahren und Taxidienste bis 2020 auf 5,2 Milliarden Euro anwachsen wird. Das macht Unternehmen wie BlaBlaCar interessant für Investoren: Erst 2014 hat das Startup eine Finanzierung von rund 100 Millionen Dollar erhalten, Mitte 2015 kamen weitere 200 Millionen Dollar dazu. Damit zählt die Firma zu den kapitalstärksten Start-ups in Europa.

Bisher ist das Potential im Markt allerdings vor allem ein Investorentraum. In Deutschland zumindest ist es noch keinem Anbieter gelungen, die Nutzer zum Zahlen einer Vermittlungsgebühr zu verpflichten. Als 2005 der damalige Marktführer Mitfahrzentrale.de Gebühren einführte, wanderten die Nutzer in Scharen zum damals noch kostenlosen Anbieter Mitfahrgelegenheit.de. Als der 2013 ebenfalls kostenpflichtig wurde, zogen sie weiter zu BlaBlaCar. Inzwischen ist Mitfahrgelegenheit.de aufgekauft und das blau-grüne BlaBla-Logo omnipräsent: an Plakatwänden, in Youtube-Spots und sogar auf Zapfhähnen an Tankstellen. Droht den Franzosen mit der Einführung der Gebühren dennoch das gleiche Schicksal wie ihren Vorgängern?