Die Hamburger Start-up-Szene schielt gerne auf Berlin. Dabei hat sich an der Elbe ein eigenes starkes Netzwerk entwickelt.

Von Katja Scherer

Fragt man Hamburger Gründer und Investoren, was ihre Stadt als Standort auszeichnet, fängt die Antwort meist gleich an: „Also im Gegensatz zu Berlin…“ Egal wie die Frage formuliert ist: Der Vergleich mit der Hauptstadt ist omnipräsent. Hamburg kommt einfach nicht los von seinem großen Bruder, der hippen, lauten, vibrierenden Start-up-Metropole an der Spree. Während Berlin sich feiert, hadert Hamburg mit sich selbst.

Dabei könnte sich die Branche mehr Selbstbewusstsein leisten. Denn in Hamburg ist in den vergangenen Jahren ein reges Netzwerk entstanden. Man kennt sich, man trifft sich, man tauscht sich aus – wie bei der Neumacher-Konferenz der Wirtschaftswoche am 17. November. Noch immer ist die Szene in Hamburg deutlich kleiner: Der Bundesverband Deutsche Start-ups schätzt, dass es in Berlin derzeit 2500 junge digitale Betriebe gibt, in Hamburg dagegen gerade einmal 450. Das muss allerdings nicht unbedingt ein Nachteil sein.

In der überschaubaren Hamburger Szene ist es deutlich leichter, sich als Newcomer einen Namen zu machen. Das hat auch Jonathan Kurfess, Gründer der Marktforschungs-App Appinio, festgestellt. „Die Hamburger Branche ist sehr familiär“, sagt er. „Wenn man Unterstützung braucht, weiß man, wen man fragen kann.“ Vor einem Jahr ist Kurfess mit seiner App gestartet. Anfangs wollte er dafür nach Berlin. In Hamburg – seiner Heimat – blieb er nur, weil er dort Programmierer kannte und schon erste Kontakte zu Unternehmen hatte. „Rückblickend bin ich froh über diese Entscheidung“, sagt er. In der Hauptstadt sei der Wettbewerb um IT-Fachkräfte deutlich härter.

1,4 Milliarden versus 200 Millionen Euro Wagniskapital

Diesen Vorteil sieht auch Mark Jäger, Produktchef des Flohmarkt Start-up Stuffle. Gleichzeitig merkt er allerdings an: „Wer Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben will, hat es in Berlin leichter.“ Denn während die Hauptstadt sich als Gründerstandort weltweit einen Namen gemacht hat und München nicht zuletzt mit dem Oktoberfest glänzt, tut sich Hamburg auf internationaler Bühne noch schwer. Das ändert sich allerdings gerade. Insbesondere die Spielebranche wirbt bereits seit längerer Zeit erfolgreich im Ausland um neue Mitarbeiter. Bei Goodgame Studios arbeiten inzwischen Entwickler aus rund 60 Nationen.

Schwerer wirkt daher die Tatsache, dass der Löwenanteil des in Deutschland investierten Wagniskapitals noch immer nach Berlin fließt. Das zeigt unter anderem das aktuelle Start-up-Barometer der Unternehmensberatung Ernst & Young. Demnach wurden in der Hauptstadt im ersten Halbjahr dieses Jahres rund 1,4 Milliarden Euro in Start-ups investiert. In Hamburg waren es nur knapp 200 Millionen Euro. Zu den wichtigsten Investoren dort zählt die Start-up-Schmiede Hanse Ventures. Das Team gilt als Rocket Internet Hamburgs – auch wenn der große Exit noch fehlt.