Das Erfolgs-Startup aus Hamburg, selbst erklärter „größter Feind“ der Taxiverbände, will mit einer neuen Software für mehr Wettbewerb im Taxigewerbe sorgen und den “monopolistischen Taxizentralen” Konkurrenz machen.

gw2013

MyTaxi, DeinBus, JustBook: In den vergangenen Monaten haben eine ganze Reihe junger Unternehmen für Aufsehen gesorgt, die etablierten Unternehmen mit neuartigen Geschäftsmodellen Konkurrenz machen. JustBook hat sich mit HRS angelegt, DeinBus mit der Deutschen Bahn und MyTaxi mit den Taxizentralen der Republik – und meist hatten die Startups Erfolg. In der WirtschaftsWoche vom 27. März (Nr. 14/2013) haben wir dem Thema deswegen einen längeren Artikel gewidmet.

Die Beispiele darin zeigen auch: Gründer mit neuartigen Geschäftsmodellen müssen oft mit Widerstand der etablierten Player rechnen. Die Großen schalten Anwälte und Gerichte ein, um sich ihr Geschäft von den Kleinen nicht kaputt machen zu lassen; mitunter üben sie sogar Druck auf Kunden und Investoren der Startups aus.

Sven Külper and Niclaus Mewes, die Gründer von MyTaxi

Sven Külper and Niclaus Mewes, die Gründer von MyTaxi. Foto: MyTaxi

Davon berichten etwa die Gründer von MyTaxi. Niclaus Mewes und Sven Külper haben eine App entwickelt, mit der sich mit dem Smartphone oder Tablet auf Knopfdruck Taxis bestellen lassen – gleich beim Fahrer, ohne Anruf bei einer Taxizentrale. Von Hamburg aus verbreitete sich das Angebot schnell über die deutschen Großstädte, inzwischen ist es in 30 Städten verfügbar, 30.000 Taxis sind angeschlossen. Vier Jahre nach dem Start beschäftigt das Gründerduo nach eigenen Angaben 120 Mitarbeiter und hat namhafte Investoren gefunden. Eine Erfolgsgeschichte.

Verständlich, dass die Taxizentralen darüber nicht glücklich sind. Der Dachverband der deutschen Taxi- und Mietwagenunternehmen BZP griff deswegen im vergangenen Jahr zu einem harschen Mittel und schrieb einen wütenden Brief an Dieter Zetsche, den Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG, nachdem dessen Mietwagen-Tochter Car2Go in MyTaxi investiert hatte.

Für die Gründer von MyTaxi ist die Sache klar: „Eine Handvoll Taxizentralen, die eine monopolistische Stellung genießen versuchen, mytaxi mit allen Mitteln zu bekämpfen“, erklärte Niclaus Mewes jetzt in einer Pressemitteilung. „Kartellartige Mittel, wie Drohungen und Abmahnungen“ seien eingesetzt worden, um Fahrern die Teilnahme an mytaxi zu verbieten. Die Leidtragenden seien Taxifahrer und Unternehmer.

Jetzt kontert MyTaxi und dürfte die alteingesessenen Taxizentralen ein weiteres Mal sehr ärgern: Das Hamburger Startup will in Kürze eine neue App namens „MyTaxi Dispatch“ auf den Markt bringen, die es Zentralen erlauben soll, „online und ohne die Anschaffung eigener Server effizient und schnell Fahrten zu vermitteln“. So sollen sowohl Taxiunternehmern als auch kleine Zentralen mit großen Taxizentralen konkurrieren können – auch in Regionen, in denen Kunden die klassische MyTaxi-App bisher nicht nutzen können. Bis zum Ende des Jahres soll sie nach Unternehmensangaben in den USA, Spanien sowie Polen eingeführt werden. Wie viel die Taxi-Unternehmen und Zentralen allerdings für die Nutzung der neuen App zahlen müssen hat MyTaxi noch nicht bekannt gegeben.


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