Ins Ausland expandieren? Das haben die Gründer des Berliner Startups MyParfuem schon einmal probiert. Zu Beginn des Jahres 2009 verkündeten Patrick Wilhelm und die Brüder Matti und Yannis Niebelschütz, dass sie ihre Parfüms nach Kundenwunsch nun auch in Großbritannien verkaufen wollen. Zwei Mitarbeiter sollten den “gesamten englischen Markt managen” und die “PR-Maschinerie” in Gang setzen. So einfach klang das damals.

MyParfuem

MyParfum ist mit über 88.000 Kunden der weltweite Marktführer für individuelle Parfums.

“Das war ein halbherziger Versuch”, sagt Gründer Matti Niebelschütz heute, “wir haben die beiden Mitarbeiter nicht genug unterstützt, weil uns der deutsche Markt so gefordert hat.” Denn in Deutschland liefen die Geschäfte blendend: Kaum gestartet, erzielte MyParfuem noch im Gründungsjahr einen sechsstelligen Umsatz. Mit Parfüms, die Kunden auf der Homepage des Unternehmens selbst kreieren und bestellen können – mit wohlriechenden Düften von Apfelblüte bis Zeder.

Die Idee kam so gut an, dass die drei Gründer schon nach ein paar Monaten ihr Team vergrößern und umziehen mussten, weil der Platz “im Kinderzimmer” nicht mehr ausreichte. Wie ein “Märchen” hätten sich die ersten Monate angefühlt, erzählt Niebelschütz.

Wie im Märchen

Heute hat das Unternehmen nach eigenen Angaben “über 40.000 Kunden” und ist “die europaweite Nummer Eins für individuelle Parfüms”. Es konnte Wettbewerbe gewinnen, zuletzt den “Global Innovation Award”. Ein guter Zeitpunkt also, für einen neuen Expansionsversuch: MyParfuem startet im September in den USA.

Dieses Mal will das Team einen Fehlstart wie vor zwei Jahren in England vermeiden: “Einen neuen Markt zu erobern ist nicht leicht”, sagt Matti Niebelschütz, “also werden wir von Anfang an powern.”

Deswegen hat das junge Unternehmen Pierre-Paul Frey an Bord geholt. Der erfahrene Startup-Manager hat im vergangenen Jahr die Frankreich-Expansion von Groupon angetrieben hat und stand zuletzt bei der inzwischen insolventen Online-Drogerie AllesAnna.de unter Vertrag. Jetzt soll er MyParfuem in den USA bekannt machen – nicht von Berlin aus, sondern vor Ort. Nicht nur als CEO, sondern auch als Gesellschafter. Nicht allein, sondern mit einem Team von fünf bis zehn Mitarbeitern. Und nicht einfach nur ein kleines Verkaufsbüro, sondern eine vollwertiges Unternehmen, das über eine Holding mit MyParfuem verbunden ist. “Wir meinen es ernst”, sagt Niebelschütz, der selbst immer wieder zwischen Deutschland und Amerika hin- und herfliegen will.

All das kostet: Rund 100.000 Dollar will MyParfuem in die Expansion investieren – allein bis zum Ende dieses Jahres wohlgemerkt. “Wir wollen noch in 2011 den Break-Even in den USA erreichen”, kündigt Niebelschütz an, “und im Januar 2012 nochmal nachlegen und womöglich auch einen Investor an Bord holen.”

Eine Entscheidung haben die Gründer allerdings ihrem Bauchgefühl und ihren Vorlieben überlassen: Die Ortswahl. Statt nach New York zieht es MyParfuem nach San Francisco. Kaliforniens sonnige Strände lockten sie einfach mehr als Manhattans dunkle Straßenzüge, auch wenn New York als Modemekka gilt und damit gut zur Zielgruppe von MyParfuem gepasst hätte.

Das war zweitrangig – Hauptsache USA. „Denn nichts“, sagt Matti Niebelschütz, „wäre schlimmer, als wenn uns auf dem amerikanischen Markt noch einer zuvorkommt.“