Reshma Sohoni ist Mitgründerin und CEO von „Seecamp“, einem Networking-Programm für Startups und Investoren, das im September in London stattfindet. Dabei gibt es rund 50.000 Euro und ein dreimonatiges Coaching zu gewinnen. Die Gründer, die ihr Unternehmen dort präsentieren, werden zuvor in sieben Vorrunden in ganz Europa ausgewählt – unter anderem auf dem „Mini-Seedcamp“ am 9. Juni in Berlin. Bevor Sohoni das Seedcamp gründete, arbeitete sie beim Risikokapitalgeber 3i, als Marketingstrategin bei Vodafone und im Investmentbanking.

Reshma Sohoni ist Mitgründerin und CEO von „Seecamp“, einem Networking-Programm für Startups und Investoren, das im September in London stattfindet. Dabei gibt es rund 50.000 Euro und ein dreimonatiges Coaching zu gewinnen. Die Kandidaten werden zuvor in sieben Vorrunden in ganz Europa ausgewählt – unter anderem auf dem „Mini-Seedcamp“ am 9. Juni in Berlin. Bevor Sohoni das Seedcamp gründete, arbeitete sie beim Risikokapitalgeber 3i, als Marketingstrategin bei Vodafone und im Investmentbanking. (Foto: Seedcamp)

Reshma Sohoni, Sie haben heute bekannt gegeben, welche Unternehmen zum Mini-Seedcamp nach Berlin fahren werden. Wie viele Bewerber gab es insgesamt?
Wir sprechen generell nicht über Zahlen, aber es sind mehr als im vergangenen Jahr.

Wie erklären Sie sich das?
In schwierigen Zeiten sind gute Jobs schwerer zu finden. Außerdem wollen sich viele Gründer gerade jetzt nicht von den Entscheidungen von Arbeitgebern abhängig machen. Deswegen wird es attraktiver, ein Unternehmen zu gründen.

Wie sehr macht die Krise den Gründern das Leben schwer?
In 2007, als das erste Seedcamp stattgefunden hat, hatten es die Startups viel leichter, Investoren zu gewinnen. In den letzten Monaten sind die Geldgeber aber vorsichtiger geworden. Jetzt zu gründen ist deswegen eine echte Herausforderung!

Wie können Startups diese Herausforderung meistern?
Indem sie so schnell wie möglich damit anfangen, ihr Produkt zu verkaufen und Umsätze zu machen, um den Break-Even noch schneller zu erreichen. Es geht im Moment erstmal ums nackte Überleben – aber wer das schafft, wird nach der Krise noch fester im Sattel sitzen.

Beim Seedcamp treffen die Gründer auf Investoren. Wie viele der Geldgeber sind abgesprungen, weil ihnen in der Krise die Mittel ausgegangen sind?
Keiner. Das ist auch verständlich: Die Gründer müssen sich viel stärker ins Zeug legen, um Investoren zu gewinnen – umgekehrt können sich die Geldgeber im Moment die Rosinen rauspicken.

Was sind die häufigsten Probleme von Startups und wie helfen die Mentoren bei Seedcamp den Gründern, sie zu lösen?
Abgesehen von der Suche nach Geldgebern stehen viele Gründer vor der schwierigen Frage, welche Kunden sie eigentlich ansprechen wollen und wie sie das tun können. Und: Wenn die Gründer zwar gute Ideen haben, diese aber nicht umsetzen können, haben sie es schwer.

Deutschen Gründerteams wird mitunter vorgehalten, dass sie zwar einen MBA, aber wenig technisches Know-How mitbringen…
Auch in Großbritannien ist das ein Problem, während es im Osten Europas genau umgekehrt ist: Dort sind die Gründer meistens auch diejenigen, die programmieren oder basteln können. Aber die gute Nachricht ist: Die Krise ist eine fantastische Zeit, um gute Programmierer und Ingenieure zu finden, die sonst von den großen Unternehmen weg geschnappt werden.

Sie coachen in den Seedcamps ausschließlich Internet- und Software-Unternehmen, aber keine Startups, die energieeffiziente Technologien oder Medizintechnik entwickeln. Finden Sie die etwa langweilig?
Nein. Aber wir coachen die Startups nur einige Monate lang. Und in dieser kurzen Zeit müssen die Gründer mit kleinen Geldspritzen große Fortschritte erzielen. Das fällt Web-Startups viel leichter. Wer dagegen ein Biotech- oder Halbleiter-Unternehmen gründet, braucht einmal richtig viel Geld, das dann aber auch lange reichen muss.

Nach welchen Unternehmen suchen die Investoren und Mentoren im Seedcamp-Netzwerk im Moment besonders?
Sie halten gezielt Ausschau nach neuen Technologien, die die Suche im Netz besser machen können und dabei auch den so genannten „soziale Stream“ mit einbeziehen – also Informationen, die über soziale Netzwerke wie etwa Twitter oder Facebook ausgetauscht werden. Außerdem interessant: Musik oder Finanzdienste übers Netz. Und natürlich Software.