Ob Kinderwagen, Fahrrad oder E-Roller. Start-ups bieten Kunden immer mehr Möglichkeiten, ihr eigenes Produkt zu designen – zu viel Auswahl kann aber auch überfordern.

Christoph Koch stand 2009 zu seiner Studentenzeit vor seinem alten und eingestaubten Rad. Er wollte es zum neuen Leben erwecken – ganz nach seinen Vorstellungen. Es klang: Sowohl im Freundeskreis als auch bei einem Fahrraddieb stieß sein selbst designtes Rad auf Begeisterung. Der Ehrgeiz hatte ihn gepackt und er entschloss sich einen Online-Fahrradkonfigurator zu konzipieren.

Mit dem Trend zur Individualisierung ist er nicht alleine. So gibt es heute laut der Internetseite „configurator-database.com“ über 1.000 Unternehmen, bei denen sich Kunden ihre Lieblingsprodukte zusammenbasteln können. Michail Kokkoris, vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Uni Köln, erklärt die psychologischen Gründe: „Einerseits können die Konsumenten besser ihre Identität ausdrücken und Produkte kaufen, die ihr Selbstbild und ihre Persönlichkeit widerspiegeln. Andererseits genießen sie auch den Gestaltungsprozess und fühlen sich dabei kreativ.“ Wie sehr ein Konsument von der zunehmenden Produktindividualisierung profitieren kann, hängt stark davon ab, wie gut er seine Vorlieben kennt. Jemand der regelmäßig Fahrrad fährt, Fachmagazine liest und sich die passenden Youtube-Videos anschaut, entwickelt ein klares Bild von seinem Traumrad. Diese Personen profitieren am meisten von der Individualisierung, sagt der Experte.

Die Skalierbarkeit ist eine große Hürde

Start-ups stehen irgendwann vor der Frage, wie sie ihr Konzept in einen größeren Markt bringen können. Hierfür muss jedoch der Preis der Produkte durch effizientere Produktion sinken. Denn Mass Customization zeichnet sich dadurch aus, dass individuelle Produkte nicht wesentlich teurer sind als massenhaft hergestellte Produkte. „Wenn Start-ups nur auf der reinen Customizationebene bleiben, werden sie immer in einer Nische agieren“, stellt Robert Freund, Experte für Mass Customization, fest. Aber auch mit einer Nischenstrategie können sie erfolgreich sein, wenn Kunden für ein persönliches Manufakturprodukt einen höheren Preis zu zahlen bereit sind.

Freund vermutet, dass sich der Trend im Bereich Mass Customization zukünftig weiter in Richtung Dienstleistungen entwickeln wird. So könnte die vorherige Kontaktaufnahme des Kunden, der weitere Logistikprozess, aber auf Finanzierung auf den einzelnen Kunden zugeschnitten werden. Als Beispiel sollte der Kunde bei der Bestellung den genauen Lieferzeitpunkt auswählen können. Es darf aber auch nicht zu viele Auswahlmöglichkeiten für den Kunden geben. Einerseits schützt ein klarer und schrittweiser Bestellprozess vor Überforderung. Andererseits haben laut Michail Kokkoris Forschungen gezeigt, dass eine geringere Auswahl zu mehr Kreativität bei den Konsumenten führen kann.