Eine aktuelle Studie der HTW Berlin und dem Startup-Verband zeigt: Partnerschaften zwischen Start-ups und DAX-Unternehmen haben sich in den vergangenen fünf Jahren verfünffacht.

Wie steht es um die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und DAX-Konzernen? Dieser Frage widmet sich eine gemeinsame Studie des Bundesverbands Deutsche Startups und der HTW Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Julian Kawohl und Andrej Welsch.

Die Wissenschaftler analysieren anhand von Geschäftsberichten und Datenbanken wie Crunchbase und CB Insights sowie Presseberichten die Start-up-Kooperationen, -Investments und -Übernahmen durch die DAX-Unternehmen und kommen zu einem überraschenden Ergebnis: Die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und den DAX-Unternehmen hat sich über diese Ansätze in den vergangenen fünf Jahren verfünffacht, besonders häufig kooperierten DAX-Unternehmen mit Start-ups, die ein innovatives Geschäftsmodell verfolgen (77%).

Deutsche Telekom, ProSiebenSat.1 Media, SAP und BMW am aktivsten

Die Studie zeigt außerdem, dass die Aktivitäten zur Zusammenarbeit mit Start-ups unterschiedlich stark ausgeprägt sind: So liegt die IT & Telekommunikationsbranche mit etwas mehr als einem Drittel vorne (31%) gefolgt von Finanzdienstleistungen (21%), Medien (16%) und der Automobilwirtschaft (14%). Die vier aktivsten DAX-Unternehmen (Deutsche Telekom, ProSiebenSat. 1 Media, SAP und BMW) vereinen zudem mehr als die Hälfte aller Zusammenarbeitsformate mit Start-ups.

Die Top 10 der aktivsten DAX-Unternehmen bei Startup-Partnerschaften (Summe aus Übernahmen, Beteiligungen und Kooperationen):


Kooperationen sind notwendig, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten

Florian Nöll, Vorsitzender des Startup-Verbandes, freut sich über den Anstieg der absoluten Zahl der Kooperationen, ingesamt seien diese aber nach wie vor zu niedrig: „Gerade bei der Digitalisierung profitieren etablierte Unternehmen von den innovativen Modellen der Start-ups und erhalten so ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit und die der deutschen Wirtschaft. Der Blick in die USA zeigt, dass große amerikanische Technologie-Unternehmen, wie Facebook oder Google, bei den Kooperationen mit innovativen Start-ups sehr aktiv sind. Deutsche Unternehmen müssen nun nachziehen, um den Anschluss nicht zu verpassen.“

Auch Julian Kawohl, Professor für Strategisches Management an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, unterstreicht die Wichtigkeit solcher Partnerschaften: „Unsere Studie zeigt, dass Start-ups mit ihrem Skalierungs- und Wachstumpotenzial eine tragende Rolle für die etablierten Unternehmen spielen können. Damit Corporate-Startup-Partnerschaften nicht nur als Digitalisierungs-Aktionismus und Alibi-Veranstaltung enden, müssen die DAX-Konzerne sich selbst aber noch schneller verändern. Auch und insbesondere der Mittelstand und Familienunternehmen sollten zudem vermehrt in der Zusammenarbeit mit Start-ups aktiv werden, bevor die Tanzkärtchen der digitalen Transformation verteilt sind.“