Eine aktuelle Studie zeigt: Start-ups haben im vergangenen Jahr eine nie dagewesene Summe an Investitionen erhalten. Das meiste Geld floss nach Berlin.

So manchem Gründer wird das vergangene Jahr wohl stets in guter Erinnerung bleiben: Laut einer heute veröffentlichten Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) konnten deutsche Start-ups 2017 so viel Geld einwerben wie nie zuvor. Der Gesamtwert der Investitionen sei von 2,3 auf 4,3 Milliarden Euro geklettert und somit um 88 Prozent gestiegen, so die Macher der Studie. Grund für das starke Wachstum waren vor allem einige sehr große Deals mit einem Volumen von jeweils mehr als 100 Millionen Euro, die im Vorjahr vollständig gefehlt hatten. Auch die Zahl der Finanzierungsrunden legte um fünf Prozent auf 507 zu.

Berlin bleibt Start-up-Hauptstadt

Besonders bliebt unter Investoren ist und bleibt Berlin. 208 in der Hauptstadt ansässige Start-ups erhielten im vergangenen Jahr bei 233 Finanzierungsrunden insgesamt knapp drei Milliarden Euro – fast dreimal so viel wie im Vorjahr. Damit gingen 69 Prozent der bundesweit investierten Gelder an Berliner Start-ups; im Vorjahr lag der Anteil Berlins bei 48 Prozent. Mittlerweile liegt der Standort gleichauf mit Paris und nur leicht hinter London.

Während der Boom in Berlin also weiterhin ungebrochen ist, ging die Zahl der Finanzierungsrunden in anderen wichtigen Start-up Regionen jedoch zurück: In Bayern um acht Prozent, in Nordrhein-Westfalen sogar um 19 Prozent, während es in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderungen gab.

Delivery Hero sammelt am meisten Geld ein

Interessant: Bisher kleinere Ökosystem holten weiter auf – so erreichte Baden-Württemberg im Jahr 2017 erstmalig fast die Anzahl von Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Aber auch andere Regionen wie z.B. Hessen, Sachsen, Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen konnten einen kräftigen Aufschwung verzeichnen, wenngleich auf weiterhin eher niedrigem Niveau.

Die beiden größten Finanzspritzen des Jahres gingen an ein einziges Unternehmen: Im Juni sammelte der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero bei seinem Börsengang insgesamt 989 Millionen Euro ein, wovon 423 Millionen Euro an das Unternehmen flossen. Schon im Mai war der südafrikanische Investor Naspers mit 387 Millionen Euro bei Delivery Hero eingestiegen. Und ebenfalls im Mai sammelte der Berliner Auto-Großhändler Auto1 insgesamt 360 Millionen Euro von verschiedenen Investoren ein. Im November erhielt zudem der Kochboxlieferant HelloFresh durch seinen Börsengang 268 Millionen Euro – bei einem gesamten Emissionsvolumen von 286 Millionen Euro.

E-Commerce-Unternehmen erhalten höchstes Investitionsvolumen

Neben den eindrucksvollen Mega-Deals, die im vergangenen Jahr getätigt wurden, gab es auch eine hohe Zahl kleiner und mittlerer Deals: 64 Finanzierungsrunden zwischen fünf und zehn Millionen Euro, also sieben mehr als im Vorjahr, zählte die Macher der Ernst & Young-Studie. Die Zahl der Transaktionen zwischen zehn und 50 Millionen Euro stieg um acht auf 54. Das meiste Geld floss dabei an E-Commerce-Unternehmen. Insgesamt kamen die Start-ups aus diesem Bereich auf 1,8 Milliarden Euro – nach 438 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.