Einige Deutsche gründen lieber im Ausland. Saskia Miller suchte passende, aber individuelle Kosmetik – und fand nichts. Deshalb gründete sie selbst.

Von Svenja Bebenek und Martin Seiwert

Es war die verzweifelte Suche nach der perfekten Hautcreme, die das Fotomodell Saskia Miller letztlich motivierte, Firmengründerin zu werden. Die Deutschamerikanerin hatte im Internet nach Empfehlungen von Verbrauchern gesucht, die einen ähnlichen Hauttyp haben wie sie. Das Ergebnis war ernüchternd. Warum, fragte sich Miller, gibt es kein Internet-Portal, wo Verbraucher und Experten dabei helfen, die individuell passenden Kosmetika zu finden? Immerhin kaufen Studien zufolge bis zu 60 Prozent der Konsumenten Schönheitsprodukte aufgrund von Empfehlungen.

Dem soll Millers Internet-Portal Kabinet Rechnung tragen. Auf der Internetseite schreiben sogenannte Influencer („Beeinflusser“) über Schönheitsprodukte. Diese Influencer sind in der Regel Verbraucher, die von Firmen Produktproben zugeschickt bekommen und dann ihre Erfahrungen schildern. Es können aber auch Ladenbesitzer, Designer, Musiker oder DJs sein. Seit April 2014 ist Kabinet online und hat bereits 10.000 Empfehlungen veröffentlicht. Es handle sich um „die erste Empfehlungsplattform, die nicht anonym ist und echte Meinungen veröffentlicht“, sagt Gründerin Miller. Den Start von Kabinet hat Miller, die schon im Studium mit dem Verkauf von Kosmetika Geld verdiente, selbst finanziert. Mit einer Geldspitze von 225000 Dollar von Risikokapitalgebern hat sie die Seite verbessert und bekannter gemacht. Derzeit arbeiten fünf Mitarbeiter für Kabinet.

Miller will mit dem Portal den sonst üblichen, persönlichen Austausch über Produkte ins Internet verlagern. Als Fotomodell hat Miller gute Kontakte in die New Yorker Modewelt, die sie für ihr Startup nutzen kann. So konnte sie etliche New Yorker Persönlichkeiten bewegen, auf Kabinet ihre Beauty-Geheimwaffen zu verraten. Die empfohlenen Produkte können auch direkt über Kabinet bestellt werden.

Miller sieht nicht nur Verbraucher als Kunden: „Wir haben zum einen die User und zum anderen die Firmen als Kunden. Die User sollen die Produkte entdecken können, deshalb stellen uns Firmen ihre Produkte zur Verfügung“, sagt Miller. Sie hat schon mit Firmen wie Weleda, Kate Somerville und Mario Badescu zusammengearbeitet. Derzeit ist Kabinet noch auf Amerika fokussiert, Saskia Miller kann sich aber gut vorstellen, in den kommenden Jahren auch in den europäischen und den asiatischen Markt zu expandieren: „Kabinet soll weltweit den Menschen den Produktkauf erleichtern“.