Start-ups drängen ins Geschäft von Banken und Versicherungen. Welche Vorteile InsurTechs gegenüber FinTechs haben, weiß Kolumnist Julian Heck.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute ist Julian Heck an der Reihe. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und beleuchtet für uns die boomende FinTech-Branche.

Zugegeben: Eine existenzielle Bedrohung sind die Start-ups bislang nicht. Aber das könnte sich im Laufe der nächsten Jahre ändern. Bei den InsurTechs sind die Chancen besser als bei den FinTechs – vor allem aus zwei Gründen.Erstens besteht aktuell noch keine allzu große Gefahr, dass die Start-ups von Giganten aus dem Silicon Valley oder ähnlichen Web-Riesen überrollt werden. Noch hat niemand der Traditionskonzerne eine Lösung ins Rennen gebracht, die es kleinen Start-ups langfristig schwer macht. Das könnte daran liegen, dass eine internationale Expansion aufgrund der länderspezifischen Unterschiede bei Versicherungen schwierig ist.

Bei den FinTechs sieht das anders aus. Hier haben sich Apple, Samsung, Google und Co. schon früh mit eigenen Payment-Diensten eingemischt. Auch branchenfremde Unternehmen wie O2 (Telefonicá) wollen mit eigenen Produkten mitspielen.

Schwierige Vermittlung des Mehrwerts

Zweitens spielt der Mehrwert eine große Rolle. Oder besser gesagt: Das kluge Vermitteln des Mehrwerts. Es scheint momentan noch so, als liege bei den FinTech-Start-ups genau hier noch eine große Schwäche. Schon jetzt sind viele Produkte verfügbar, aber den richtigen Durchbruch kann bisher kaum jemand feiern. Vielleicht liegt es auch daran, dass für die Nutzer nicht erkennbar ist, warum sie auf dieses Produkt zugreifen sollen. Warum sollten sie bei der Kreditvergabe nicht ein paar Tage länger warten können? Weshalb reicht nicht das Online-Banking der traditionellen, großen Banken? Das sind Fragen, die bisher nicht gut genug beantwortet und deren Antworten gewiss auch nicht gut genug vermarktet werden.

Die meist jüngeren InsurTech-Start-ups sind natürlich auch noch im Aufbau. Gefeiert wird bei ihnen ebenfalls noch lange nicht. Aber es sieht nicht schlecht aus. Zumindest Start-ups wie Clark und GetSafe, bei denen Kunden all ihre Versicherungen in einer App verwalten können, punkten mit einem klaren Mehrwert: Endlich kein Chaos mehr.