Industriekonzern trifft auf die Tüftlerwerkstatt: Deutsche Unternehmen engagieren sich in israelischen Start-ups. Nun kommt auch der Mittelstand.

Von Stefanie Järkel, dpa 

Strand, Sonne und Startups: Israel gilt neben dem kalifornischen Silicon Valley als weltweite Innovationshochburg. Mehr als 5000 Start-ups gibt es laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger in Israel. Für deutsche Unternehmen scheint das Engagement in dem Land am Mittelmeer schon ein Muss.

Delegation aus Baden-Württemberg

Nach den großen Unternehmen, wie VW, Bosch und Daimler, kämen nun auch die Mittelständler. So informiert sich aktuell etwa die CAS-Gruppe aus Karlsruhe über israelische Start-ups. Der Software-Hersteller hatte 2016 mehr als 55 Millionen Euro Umsatz.

„Security, Smart Data und künstliche Intelligenz – das sind die drei Bereiche, die uns interessieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende der CAS Software AG, Martin Hubschneider, in Tel Aviv. Hubschneider bereist aktuell mit einer 80-köpfigen Wirtschaftsdelegation und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann Israel.

Das Unternehmen hat eine Software-Plattform entwickelt, mit der Firmen ihre Kundenkommunikation und ihre allgemeinen Daten organisieren können. An dieses Programm können auch einzelne Apps angedockt werden. „Wir würden sehr gerne Start-ups finden, die dafür entwickeln, oder an denen wir uns beteiligen können“, sagt Hubschneider. Dabei gehe es etwa um Verschlüsselungstechniken.

Viele Beispiele für Kooperation

„Israel ist bekannt für bahnbrechende Innovationen“, sagt der politische Ökonom Christian Thauer von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Deutsche Unternehmen seien vor allem gut darin, erfolgreiche Produkte weiterzuentwickeln – aber nicht mehr unbedingt, sie zu erfinden. „Der Hybrid-Motor ist nicht bekannt geworden, weil VW ihn hatte, sondern Toyota.“ Die elektrogetriebenen Motoren wiederum stammten von Tesla und nicht aus Deutschland. „Deutsche Firmen haben kapiert, dass sie diesen Zug nicht an sich vorbeifahren lassen können“, sagt Thauer – dass sie sich in Israel und Kalifornien engagieren müssen. Israelische Start-ups bräuchten wiederum die deutschen Unternehmen, um ihre Entwicklungen in Europa zu vermarkten.

Beispiele für deutsch-israelische Kooperationen gibt es inzwischen viele. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck kaufte 2015 das Start-up Qlight Nanotech in Jerusalem. Merck bietet unter anderem Flüssigkristalle für Bildschirme. Qlight Nanotech entwickelt ebenfalls Display-Materialien. „Was in Israel als Forschung stattfindet, deckt sich in vielen Bereichen mit dem, was wir machen“, sagt ein Merck-Sprecher. Auch Volkswagen hat eine Partnerschaft mit dem Jerusalemer Automobilzulieferer Mobileye abgeschlossen, Spezialist für Kameratechnik für automatisiertes Fahren. Der amerikanische Chip-Gigant Intel hat Mobileye vor zwei Wochen für 15,3 Milliarden Dollar übernommen – bisher das größte Geschäft der israelischen High-Tech-Branche.