Hinzu kommen Probleme, die selbst etablierten Unternehmen zu schaffen machen: Vielen Gründern gelingt es nicht, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. „Ich habe am Anfang selbst Lehrgeld zahlen müssen“, sagt Wolff. „Leider haben meine Mitarbeiter sehr schlampig gearbeitet.“ Statt ihren Feierabend zu genießen, saß Wolff oft bis tief in die Nacht im Büro, um die Charts und Präsentationen ihrer Angestellten zu verbessern. „Es bringt einfach nichts, billige Leute einzustellen, wenn man am Ende doch alles selbst machen muss.“

Gründer Lorenz Wagener sieht die vergleichsweise günstigen Löhne hingegen als Vorteil. „Die Gehälter für Absolventen chinesischer Universitäten betragen nur einen Bruchteil dessen, was in Deutschland üblich ist“, sagt der 37-Jährige. Wer also in Shanghai gründe, danach zwei, drei Berufseinsteiger einstelle und dazu ein billiges Büro miete, komme viel günstiger weg als in Deutschland. „Die unternehmerischen Früchte in Shanghai hängen extrem tief“, sagt Wagener. „Dieses Potenzial muss man als Gründer einfach nutzen“. Sein Rat: Einfach ausprobieren und machen. Und wenn man scheitert? „Dann hat man wenigstens nicht so viel Geld in den Sand gesetzt wie in Deutschland.“

Gnadenlos kopiert

Doch auch Optimist Wagener sieht Probleme für Start-ups. Im Land der der sogenannten Copycats werden Geschäftsideen oft gnadenlos kopiert. Wageners Firmenidee zu Rimagine wurde in China gleich dutzendfach geklont. „Man hat unsere ganze Webseite eins zu eins kopiert und sogar unsere Bilder geklaut.“ Zum Schutz gegen Diebe nutzt er inzwischen ein Programm, das ihn warnt, sobald der Quellcode seiner Seite irgendwo anders im Internet auftaucht. Darauf angesprochen, hätten die dreisten Diebe ihre Online-Seite meist gelöscht. „Glücklicherweise haben uns solche Copycats noch nie existenziell gefährdet“, sagt Wagener.

Rechtsanwalt Burkardt sieht eine Mitschuld der Unternehmer am Ideenklau. „Im anfänglichen Eifer des Gefechts vergessen viele Gründer den Schutz ihres Eigentums.“ Ein großes Problem, denn bis der Schutz nach der Anmeldung greift, vergehen in der Regel bis zu sechs Monate. „Solche Angelegenheiten regelt man am besten schon gestern.“

Die Regeln für Erfolg sind global

Doch auch wenn alles geregelt ist: das Büro angemietet, das Personal gefunden, die Bürokratie überwunden und das geistige Eigentum geschützt: Der Erfolg kommt auch in China nicht von jetzt auf gleich. Die Regeln für Erfolg seien global, sagt Wagener, der selbst aus einer Unternehmerfamilie stammt: „Mein Opa sagte immer: Es dauert sieben Jahre, bis du ein Unternehmen erfolgreich etabliert hast“. Und so sei es auch in Shanghai.