Aus ihren chinesischen Fabriken schicken Unternehmen wie Metro, Nivea oder Obi ihre Produkte nun direkt in die Studios von Rimagine. Der Vorteil: Die Hersteller müssen ihre Büromöbel, Gartenstühle oder Fitnessgeräte nun nicht mehr umständlich nach Deutschland verfrachten, um sie ablichten zu lassen und teils mehrere Wochen auf die Ergebnisse warten.

Bereits nach zwei Wochen erhielt Wagener seinen ersten Auftrag – vom alten Arbeitgeber. „Wir sollten 300 Flugzeugmodelle für Herpa fotografieren“, sagt er. Das Problem: „Wir hatten weder einen Fotografen noch ein Studio.“ Kurzerhand baute Wagener sein Wohnzimmer um und engagierte einen befreundeten Fotografen. „Wir mussten ziemlich improvisieren, aber irgendwie haben wir es geschafft.“ Nur wenige Tage später folgte der erste Kleinauftrag von Ikea. Doch ein Studio fehlte immer noch.

Prämien von der städtischen Regierung

Hilfe fanden die Gründer in Caojiadu, einer von Dutzenden Entrepreneur-Zonen der Stadt. „Je nach Zone bekommen Unternehmen billige Büros, Steuervergünstigungen oder auch kostenlose Parkplätze in der Umgebung“, sagt Wagener. „Gerade am Anfang hilft das unheimlich.“ Genau zehn Jahre ist das nun her. Inzwischen hat sich Rimagine auf 20 Mitarbeiter vergrößert und zwei neue Studios in Shenzhen im Süden Chinas sowie im texanischen Dallas eröffnet. 475 Kunden hat Wagener inzwischen gewonnen, darunter Adidas, Nivea, Bosch und Esprit.

Caojiadu ist nicht das einzige Viertel, in dem junge Unternehmen wachsen können. Rund 100 sogenannter Industrial, Economic oder Commercial Zones ziehen sich durch das gesamte Stadtgebiet und bieten Firmen auch abhängig von der Branche steuerliche Vorteile oder Investitionshilfen. Finanzdienstleister siedeln sich zum Beispiel ausschließlich in Lujizui an, der Shanghaier Handels- und Finanzzone im Stadtteil Pudong. Der Grund: Neu registrierte ausländische Unternehmen bekommen hier abhängig vom eingebrachten Kapital bis zu zwei Millionen US-Dollar Prämien von der städtischen Regierung. Außerdem erlässt ihnen die Stadt in dieser speziellen Zone die ansonsten üblichen Finanztransaktionssteuern.

Kostengünstig im Coworking Space

In kleinerem Rahmen erhalten Unternehmer Unterstützung im Norden der Stadt. In Wujiachong hat sich mit der Knowledge & Innovation Community (KIC) einer der größten Standorte für Start-ups entwickelt. Auf rund 800.000 Quadratmetern finden hier Veranstaltungen rund um das Thema Unternehmensgründung statt. Neben multinationalen Konzernen wie IBM oder dem Softwarehersteller Oracle sind es vor allem Start-up-Service-Agenturen wie die Silicon Valley Bank oder Technology Exchange, die Kapital und Wissen bereitstellen.

Auch abseits der KIC finden Start-ups immer mehr Unterstützung. Coworking Spaces wie People Squared im Shanghaier Finanzzentrum Jing’an District bieten Gründern kostengünstig Büros. In ihnen teilen sich gleich mehrere Firmen die Infrastruktur wie Drucker, Telefone oder Besprechungsräume – und tauschen regelmäßig ihr Know-how aus. Weiter im Süden findet sich iStart Ventures, ein Inkubator der städtischen Regierung speziell für Start-ups, die in den Branchen Internet, neue Medien, Gesundheit und Umwelttechnologie tätig sind. Und am Ufer des Flusses Huangpu wächst die kreative Szene im sogenannten Bundspace.