Nach Apple kauft auch Microsoft ein deutsches Start-up. Die kleine Übernahmewelle zeigt das Potenzial der hiesigen Gründer – aber auch ihre große Schwäche.

Spekuliert wurde seit einiger Zeit, nun ist der Deal fix: Microsoft kauft die 6Wunderkinder. Bis zu 200 Millionen Dollar sind dem Softwareriesen die beliebte To-Do-App und ihr Team um Christian Reber wert.

Für die deutsche Start-up-Szene ist das ein wichtiges Signal, zumal es nicht der einzige spektakuläre Exit ist. Erst vor wenigen Tagen sorgte die Übernahme von Metaio für Aufsehen, denn niemand geringeres als Apple hat sich die Münchner Augmented-Reality-Spezialisten einverleibt.

Die Technologien und Produkte deutscher Gründer sind inzwischen so herausragend, dass sie auch in Cupertino und Redmond auffallen. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte ist hingegen, dass der maximale Unternehmererfolg hierzulande derzeit ein erfolgreicher Exit ist. Investoren wie die Geldgeber der Wunderkinder, von Frank Thelen über Earlybird bis hin zu Sequoia freut es. Ein Verkauf ist auch grundsätzlich nichts Schlechtes, so funktioniert das Geschäft, zumal man den Exit auch erst einmal schaffen muss.

Allerdings zeigt die kleine Übernahmewelle auch die Schwäche der deutschen Start-ups.

Exemplarisch steht dafür der Kauf des Privatautoverleihs Autonetzer durch den französischen Konkurrenten Drivy. Zuvor war mit Mitfahrgelegenheit.de schon der langjährige Marktführer hierzulande vom französischen Wettbewerber BlaBlaCar geschluckt worden.

Hier haben es die Deutschen nicht geschafft, auch nur eine europaweit dominierende Position zu erreichen. Es ist bezeichnend, dass die in Sachen Wirtschaft sonst neidisch über die Grenze schauenden Franzosen ausgerechnet bei der nächsten Generation von Mobilitäts-Start-ups den Deutschen voraus sind. Wie schon bei MyTaxi, die zwar früh am Markt und auch in der Heimat auch erfolgreich waren, fehlte das Kapital um schnell und weltweit zu wachsen.