Das neue Start-up Stegimondo verkauft Dächer. Der Online-Dachdecker setzt dabei auf Algorithmen und den Ansatz eines anderen erfolgreichen Handwerker-Start-ups.

Inzwischen kann man im Internet fast alles bestellen, Hausdächer bislang allerdings nicht. Das Start-up Stegimondo will das ab sofort ändern. Das Unternehmen bezeichnet sich als „weltweit ersten Online-Dachdecker“ und verspricht innerhalb von zehn Minuten ein Festpreisangebot.

„Bisher fragt ein Bauherr fünf Dachdecker nach einem Angebot, einer kommt nach zwei Wochen vorbei und nach vier Wochen hat man vielleicht ein erstes Angebot“, sagt Jens Oenicke, Mitgründer und Geschäftsführer von Stegimondo.

Genau hier setzt das Start-up an. Die Kunden laden bei einem Neubau die Baupläne hoch oder bei einer Sanierung Fotos des bisherigen Dachs. Danach kalkuliert die Stegimondo-Software den Preis. Das Start-up und die Handwerker ersparen sich somit die Anfahrten, die Aufträge werden dann von Dachdeckerunternehmen erledigt. Mit einem ähnlichen Ansatz mischt Thermondo den Heizungsbau auf.

Stegimondo ist es wichtig, dass die Aufträge nicht nur gegen Provision vermittelt werden. „Der Kunde unterschreibt bei uns und wir gehen in die volle Haftung“, sagt Oenicke. „Das ist ein Riesenunterschied zu vielen anderen Plattformen.“ Die ausführenden Dachdecker agieren quasi wie Subunternehmer von Stegimondo.

Oenicke und sein Mitgründer Franz-Philippe Przybyl sind schon lange im Online-Geschäft. Sie gründeten Ende der Neunzigerjahre gemeinsam die Online-IPO-Plattform Publity. Oenicke arbeitete zudem für Bertelsmann, Holtzbrinck und Springer. In den vergangenen zehn Jahren war er Geschäftsführer der Plattform Quotatis, die Dienstleistungen und Handwerker vermittelt.

Dabei entstand auch seine neue Idee: „Wir haben gesehen, dass die Nachfrage bei Kunden groß ist, doch auf der Anbieterseite klemmt es.“ Viele Dachdecker hätten eine gute Auftragslage und keine Lust auf die Anfahrten, um Angebote zu erstellen. Insofern hatten sie auch wenig Interesse an einer reinen Auftragsvermittlung im Netz. Genau diesen Punkt will das Start-up nun mit seinen Algorithmen lösen. Unterstützt und finanziert wird es dabei von der Firmenschmiede Makers.

Der Markt ist groß: Etwa.115 000 Dächer auf Ein- und Zweifamilienhäuser werden in diesem Jahr voraussichtlich neu gebaut, dazu kommen noch einmal 145.000 Sanierungen. Insgesamt beträgt der Umsatz der Branche neun Milliarden Euro. Stegimondo bietet seine Dienstleistung zunächst in Berlin, Brandenburg und dem Großraum Stuttgart an. „Nächstes Jahr wollen wir bundesweit starten“, sagt Oenicke. Die Winterzeit sei dabei ideal, um in weiteren Gebieten neue Dachdecker als Partner zu gewinnen.