Die deutsche Start-up-Szene muss sich nicht verstecken. Im Gegenteil, meint unser Kolumnist. Nur die Bundesregierung bremst den Aufschwung.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

Start-ups sind in Deutschland allgegenwärtig. Kaum eine Zeitung, die ohne die spannenden Geschichten über Gründungen und Gründer auskommt. Kaum ein namhafter Politiker, der in seinen Reden ohne Verweis auf Bedeutung und Potenzial von Start-ups auskommt. Und zumindest in Berlin inzwischen kaum noch eine U-Bahnfahrt ohne Blick auf eine Plakatwand, die die Vorzüge eines Start-ups und dessen Lieferdienst, Putzservice oder völlig neuer Chat-App anpreist. Die Szene in Deutschland hat sich in den letzten Jahren von einem hippen Außenseiter zur europäischen Nummer eins entwickelt. In Zahlen heißt das: 3,1 Milliarden Euro Venture Capital für deutsche Start-ups im vergangenen Jahr. Das ist nicht nur eine beeindruckende Zahl, das ist verglichen mit 2014 auch eine Verdoppelung der Investitionssumme, gegenüber 2013 gar eine Verfünffachung. Und an der Spitze im europaweiten Vergleich steht Berlin: Nahezu jeder fünfte Euro des in Europa investierten Risikokapitals floss in die deutsche Hauptstadt.

Wäre das nicht der richtige Zeitpunkt, sich einmal bei der deutschen Politik für ihre Unterstützung zu bedanken? Leider nein. Die Politik hat die Bedeutung von Start-ups für die Innovationskraft und für das Gelingen der digitalen Transformation zwar erkannt. Sie wird auch nicht müde, dies in Reden immer und immer wieder zu wiederholen und sich bei jungen Unternehmen (immer schön mit ein paar bunten Fotos dokumentiert) zu zeigen. Aber wenn man sich die konkrete Bilanz anschaut, dann muss man leider sagen: Die Start-up-Szene hat sich in Deutschland bislang eher trotz als wegen der Politik so großartig entwickelt. Die Politik hat ein Umsetzungsproblem.