Erfolgreiche Gründer haben selten einen Hochschulabschluss in der Tasche – Klischee oder Wahrheit? Unser zweiter Teil der Serie über Start-up-Mythen.

Was haben Medienmogulin Oprah Winfrey, Modezar Ralph Lauren und Spotify- Gründer Daniel Ek gemeinsam? Alle sind erfolgreiche Unternehmer, keiner von ihnen hat die Universität abgeschlossen. Aber Vorsicht vor Fehlschlüssen: Wer jetzt überlegt, schnell die Exmatrikulationsbescheinigung auszufüllen und statt der Bachelor-Arbeit lieber einen Businessplan zu schreiben, sollte vorher einen Blick in die Forschung werfen. Lassen Sie sich bloß nicht von anekdotischer Evidenz blenden!

Der Wirtschaftswissenschaftler Guido Bünstorf vom Max-Planck-Institut für Öko- nomik hat untersucht, ob Studienabbrecher erfolgreicher gründen als Absolventen. Gemeinsam mit zwei skandinavischen Kollegen wertete er dänische Arbeitsmarktdaten aus den Jahren 1994 bis 2007 aus. Und siehe da: Drei Jahre nach Verlassen der Hochschule hatten sich 2,4 Prozent der Abbrecher selbstständig gemacht, bei den Absolventen waren es nur 1,5 Prozent.

Sie wollen Unternehmer werden? Gehen Sie zur Uni!

Allerdings scheinen Menschen mit Diplom trotzdem die besseren Unternehmer zu sein: Der Umsatz im ersten Gründungsjahr war bei den Firmen der Absolventen im Schnitt um ein Drittel höher als bei den Abbrechern. „Unsere Untersuchung liefert keine Anhaltspunkte für die These, dass Erfolgsgeschichten wie die von Steve Jobs oder Mark Zuckerberg typisch für Studienabbrecher sind“, sagt Bünstorf.

Der britische Arbeitsökonom David Blanchflower hat zudem herausgefunden, dass zumindest in den USA die Chance auf Selbstständigkeit ansteigt, je gebildeter jemand ist. Die höchste Wahrscheinlichkeit haben demnach Master-Absolventen oder Menschen mit einem vergleichbaren akademischen Abschluss.

In dem Buch „The Illusions of Entrepreneurship“ bringt der amerikanische BWL- Professor Scott Shane die Erkenntnisse der Forschung auf den Punkt: „Wenn Sie Unternehmer werden wollen, dann gehen Sie zur Uni.“ Allerdings sollten angehende Gründer auf einen Doktortitel eher verzichten. „Mit so viel Bildung werden sie dann vermutlich eher ein nerdiger Professor wie ich“, schreibt Shane, „der vom Gründen spricht, anstatt es zu tun.“