Florian Nöll nutzte das Thema Finanzierung, um auf das kürzlich gestoppte Anti-Angel-Gesetz einzugehen. „Die öffentlichen Kapitalgeber können oft nur co-investieren, wenn auch private Investoren einsteigen“, so der Vorsitzende des Start-up-Verbands. Er betonte, dass mit der ursprünglich geplanten Steuerregelung, die in der Start-up-Szene viel Unmut auslöste, etwa 60 Prozent des Kapitals nicht mehr vorhanden gewesen wäre – das Geld von Business Angels und eben das Kapital öffentlicher Institutionen wie beispielsweise des High-Tech Gründerfonds.

Nöll knöpfte sich auch den im Januar eingeführten Mindestlohn für Praktikanten vor.  47,5 Prozent der Gründer haben die Einführung laut „Start-up Monitor“ negativ zu spüren bekommen. Zwei von drei Start-ups haben deshalb auch ihre Einstellungspolitik für Praktikanten geändert. 51 Prozent der Start-ups geben an, weniger oder gar keine Praktikanten mehr zu beschäftigen. Das schade nicht nur den Start-ups, sondern auch etablierten Unternehmen, betonte Nöll, weil damit Praxiserfahrungen wegfielen.

42 Prozent der Start-ups sehen Mindestlohn nicht negativ

Die Zahlen des „Start-up Monitors“ belegen jedoch auch, dass 42 Prozent der Start-ups keine negativen Einflüsse durch den Mindestlohn berichten. Das erwähnte der Vorsitzende des Bundesverbands in der Präsentation allerdings nicht.

Der „Start-up Monitor“ basiert auf den Antworten von rund 1000 Start-ups aus der gesamten Bundesrepublik und gilt als die größte Erhebung von innovativen sowie wachstumsorientierten Firmen hierzulande. Die Untersuchung bezieht sich bewusst nicht auf Selbstständige im Allgemeinen wie etwa der KfW-Gründungsmonitor.

Dass die Start-ups bis zu zehn Jahre alt sein dürfen – normalerweise gilt für den Begriff Start-up eine Altersgrenze von bis zu fünf Jahren –, begründet Ripsas so: „Die Venture-Capital-Forschung zeigt, dass sich der Erfolg eines Start-ups erst nach fünf bis sieben Jahren einstellt.“ Um auch erfolgreiche Start-ups zeigen zu können, habe man sich daher entschieden, über die Fünf-Jahres-Schwelle zu gehen.