Möve Bikes will das Radfahren mit einem neuen Antrieb verändern – und gleichzeitig eine alte Marke wiederbeleben.

von Thorsten Firlus

Der Tüftler war bereits über 80 Jahre alt, als er im Jahr 2012 auf Marcus Rochlitzer und Tobias Spröte zukam. Er habe da Skizzen, Ideen und den Wunsch, dass sein Konzept eines Tages über die Straßen rollen würde. Die beiden schauten sich das Material an, wenig später gingen sie ans Werk. „Es war zunächst eine Idee, die aus dem Hobby entstand und die wir dann im Unternehmen vorangetrieben haben“, sagt Spröte, einer der Gründer von Möve Bikes. Dahinter verbirgt sich eine Ausgründung der Möve-Group, eines Dienstleisters, der deutschlandweit Ingenieure vermittelt.

Im Jahr 2013 wurde die Aufgabe zu zeitraubend für ein paar Tüfteleien nebenbei. Deshalb gründete das Duo im thüringischen Mühlhausen ein neues Unternehmen: cyfly heißt der Radantrieb. Der soll ein Problem des traditionellen Kurbelantriebs lösen: jene Phasen in der Trittbewegung, in denen das Bein, weil das Pedal oben oder unten steht, wenig Druck auf die Pedale ausübt. In den vergangenen Jahrzehnten tüftelte daran unter anderem auch Branchenführer Shimano, ohne durchschlagenden Erfolg. Cyfly gleicht einem Uhrwerk mit verschiedenen Zahnrädern, die den Tritt besser ausnutzen und die toten Phasen der Bewegung minimieren sollen. Im Vergleich zum konventionellen Antrieb wiegt die Technik 1900 Gramm zusätzlich. „Wir müssen oft erklären, dass cyfly die Energie des Fahrers trotzdem besser nutzt“, sagt Spröte.

Marke von 1897

Das lässt sich am besten bei einer Probefahrt erleben. „Es dauert wenige Minuten bis zu einer halben Stunde, bis man sich an das andere Fahrgefühl gewöhnt hat“, sagt Spröte. Noch haben sie nicht entschieden, ob sie mit Händlern kooperieren oder auf einen Direktvertrieb mit Pop-up-Stores setzen. Die Räder werden zu Preisen wie hochwertige E-Bikes in den Markt kommen – unter dem Namen Möve. Und auch den US-Markt lotet das Start-up schonmal aus: Die Gründer sind gerade in den German Accelerator im Silicon Valley gezogen.

Die Marke gibt es bereits seit 1897, im Jahr 1961 ging sie in der DDR in die Mifa über, 2012 sicherten sich Spröte und Rochlitzer die Rechte. Zielgruppe sind vor allem Fahrer von Trekkingrädern. Den Boom der E-Bikes sieht Spröte gelassen, doch cyfly ließe sich notfalls auch mit einem Elektromotor kombinieren. Der Tüftler ist jedenfalls mittlerweile 85 und zufrieden. Sein Ziel ist erreicht.

Steckbrief

Möve Bikes
Gründer Tobias Spröte, Marcus Rochlitzer, ‧Dominik Burre
Gründung November 2014
Mitarbeiter Zwölf tüfteln am Projekt cyfly
Verfügbar deutschlandweit von 2017 an
Finanzierung 1,5 Millionen Euro von privaten Investoren